Gewalttäter

Christopher ist ein bescheidener und besonnener Mensch mit einem sehr vernünftigen Kredo: „Fahre niemals schneller, als es mit aller Gewalt geht“. Kann man so stehen lassen.

Charles Manson Racing-Team

Eine solch gediegene Lebenseinstellung verlangt natürlich nach geeignetem Support-Material. Softchopper oder anderes Gedöns für Wachkomatiker bringen den ambitionierten Adrenalin-Jockey in etwa so weit wie die Wasserpistole den Bereitschaftspolizisten am 1. Mai in der Hafenstraße. Will man keine Gefangen machen, braucht man zum Einen eine mächtig großkalibrige Waffe und zum Anderen viel Platz für Munition. Den dafür benötigten Freiraum erzielt man nach wie vor am effektivsten durch das Weglassen von unnötigem Plunder.

Enforcer

Christopher ist schon lange kein Neuling mehr auf dem Gebiet des militanten Straßenkampfes und tummelt sich seit einem guten Jahrzehnt am oberen Ende des Hubraum- und Leistungs-Schlachtfelds. Neben Kilogixxern und XXen befanden sich auch japanische Jagdfalken in seinem Besitz – vortrefflich geeignet, um so ziemlich alles unterhalb der Schubkraft von Pershing-Zwos im Verkehr wegzuschnupfen. Trotzdem kam keine rechte Freude auf, denn die besagten Karnivoren waren ihm allesamt deutlich zu langweilig. Nicht, daß 200 PS von der Kapazität her latent unaufregend wären, wohl aber deren Entfaltung. Wer schon einmal Hayabusa gefahren ist, weiß was gemeint ist. Die Dinger ziehen zwar ordentlich an den Armen, sind dabei aber so untückisch, dass man die Geräte durchaus im Fahrschulbetrieb einsetzen könnte.

Adrenalinspritze

In so einer prekären Situation ist gutes Rad teuer. Wäre da nicht ein eher zufälliges Aufeinandertreffen Christophers mit einem Exemplar aus Kawasakis ZX-12R-Reihe gewesen. Von der Papierform her zwar dem Suzuki-Projektil unterlegen, in der Abgabe der Vortriebs dennoch eine andere Liga. Deutlich vehementer setzt der Schub ein, stürmen die Pferde auf die Koppel, werden die Hände beim Fluten der Kanäle feucht, tritt ein fettes Grinsen auf die Gesichtshaut des Piloten. Diese Sekunde, wo du meinst, Thor persönlich würde aus den Wolken seinen Hammer in deinen Rücken sausen lassen wie Tiger Woods sein Neuner-Eisen beim Abschlag an Loch Drei. Für einen kurzen Moment fühlst du deine Augäpfel gegen die hintere Schädelwand klatschen. Das ist der Augenblick, der Kraft von Brutalität unterscheidet. Und wenn Christopher bloß Kraft gewollt hätte, wäre er eine Buddel Ketchup kaufen gegangen.

Geht ab!

Der Ankauf eines Basiskrads war nach dieser Erfahrung nichts weiter als reine Formsache – die Entscheidung, das Gerät von seiner üblen Staubsaugeroptik zu befreien, ebenso. Der Prügelknabe wurde flugs aus der Haut gepellt und sein Skelett einer Obduktion unterzogen. Dabei trennte sich der praktizierende Metallurge gleich mal von Rädern, Bremsen, Gabel, Heckrahmen, Sitzmöbel und jeder Menge anderem Plunder. Komplettiert wurde der verbliebene Torso dann schrittweise mit aktuellerem Geschmeide.

Taktische Implantate

Statt auf Organe aus dem Kawasaki-Umfeld zurückzugreifen, schnappte sich Christopher ihm vertraute Prothesen aus dem Hause mit dem dicken „S“ im Logo. Gleich mehreren Kilogixxern der Baujahre 2005 bis 2008 wurden via Feldamputation Teile ihrer Körpers geraubt. Neben dem Vorderrad stammen auch Gabel und Bremsanlage aus einem Exemplar dieser Supersportler-Gattung, was neben einer amtlichen Gewichtsreduktion auch funktionalen Fortschritt einziehen ließ. Natürlich passte der Radhalter nicht Plug`n`Play in den Steuerkopf des Dickschiffs, sondern musste zu seinem neuen Glück gezwungen werden. Nachdem Erpressung und Nötigungsversuche keinen nachhaltigen Erfolg zeigten, ging Christopher den Weg über die Fräsbank und strickte einen Satz passende Brücken, deren oberes Exemplar auch gleich noch für die Aufnahme eines Rundinstrumentes von Koso vorbereitet wurde. Ein Paar Bremsscheiben von Braking komplettieren mit einem ausgemusterten Triumph-Scheinwerfer nebst RSV-Fender das vordere Multi-Kulti-Abteil.

Heck-Meck

Die Gestaltung des hinteren Decks verlief noch eine Spur spartanischer. Da bei der 12er der Benzintank hauptsächlich unterhalb der Auflagefläche des Fahrer-Gesäßes residiert, bestimmte Christopher das voluminöse Fass kurzerhand zum Höckerfundament. Lediglich ein filigranes Konstrukt aus etwas schmerzhaftem Stahlrohr und ein paar Augenverschraubungen verlängern die minimalistische Lösung nach hinten und münden in einem handlaminierten Höcker klassischer Prägung. Noch fix ein Rücklicht aus der Grabbelkiste eingepasst und gut. „Mehr Heck braucht kein Mensch“ meint der junge Wilde und beantwortet Fragen nach der Bequemlichkeit des Möbels mit einem ähnlichen Gesichtsausdruck, wie ihn Homer Simpson an den Tag legt, wenn man diesen auf die gesundheitsschädliche Wirkung von Duff-Bier anspricht. Soll noch mal jemand sagen es gäbe keine blöden Fragen...

Kernkraft

Zwar blieb das Kraftwerk der Zwölfer innerlich unangetastet, doch tummeln sich in seiner Umlaufbahn ein paar durchaus beachtenswerte Trabanten. Neben der fast schon unvermeidlichen Auspuffanlage von Akrapovic bleibt das Auge des Betrachters wie angenagelt an dem mächtigen Wasserkühler hängen. Das Teil stammt aus einer Langstrecken-Rennmaschine und verschlang einen nicht unbeträchtlichen Posten aus dem Umbau-Budget. Da dieses auf Grund der ansonsten extrem geizigen Teileanschaffungen noch nicht sonderlich malträtiert war, konnte sich der Schrauber das Goodie gönnen ohne seine Schwiegermutter verkaufen zu müssen – was er ungeachtet der finanziellen Notwendigkeit trotzdem gerne getan hätte, jedoch am Veto seiner Frau scheiterte. Neben dem unbestritten heftigen optischen Effekt macht der Radiator auch technisch Sinn – wenn man sich auf dem Asphalt bewegt wie unser Protagonist es zu tun pflegt. Halbes Gas ist wie halb besoffen. Macht beides nicht glücklich und ist die pure Verschwendung von Rohstoffen. Eine Angelegenheit, die Christopher nicht ertragen kann – und dank seines neuen Eisens auch nicht länger muß.


TECHNISCHE DATEN
Marke/Modell/Bj.: Kawasaki ZX-12R, Bj. 2002
Besitzer: Christopher
Wasserkühler: Endurance-Series Kühler aus einer 750er Renngixxer
Vergaser/Einspritzung: ZX-12R
Krümmer/Auspuff: Akrapovic, GSX-R 1000, modifiziert
Rahmen: modifiziert
Heckrahmen: Minimal-Eigenbau
Federbein: GSX-R 1000 K07
Gabel: GSX-R 1000 K08
Gabelbrücken: Eigenbau
Gabelbrücken: GSX-R 1000, stark modifiziert
Vorderrad: GSX-R 1000
Bremsscheiben: Braking Wave
Lenker/Riser: GSX-R 1000
Scheinwerfer: Speed Triple
Höcker/Sitzbank: Eigenbau als Tankverlängerung
Kotflügel: Aprilia RSV 1000
Instrumente/Anzeigen: Koso
Lackierung: Orange Lamborghini Murcielago


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