Life is a bitch – und Odin ihr Zuhälter

Michael ist hart im Nehmen. Wenn ihm das Schicksal ins Gesicht schlägt, ballt er die Faust und haut zurück. Und es gab reichlich auf die Fresse. Im Zusammenhang mit seiner zweirädrigen Nemesis sogar wortwörtlich und nicht selten. Doch dazu später. Als bekennender Anhänger einspuriger Adrenalin-Auslöser führte Michael 1994 der Weg zum örtlichen Yamaha-Büttel und zwang diesen mit vorgehaltener Brieftasche und Checkkarte im Anschlag zur Herausgabe einer nigelnagelneuen Vmax. Soweit so gut. Der Sommer lachte, der Asphalt war warm und griffig, das Fahren machte Spaß.

Runde eins – technischer K.O.

Bis Odins Faust den Michael eines Tages in Gestalt eines unachtsamen Verkehrsteilnehmers von seinem Eisen holte. Der Schlag ging nicht spurlos am Vau-Vier vorbei – und wenn der schon kaputt war, konnte man ihn ja auch gleich umbauen. Zubehör von der Stange schied von vorne herein aus: Zum einen mag Michael keine Massenware und wollte vermeiden, sein Moped lediglich am Nummernschild von anderen Umbauten unterscheiden zu können. Und zum anderen sah er Fremdkreationen als bestenfalls schmierigen Kompromiß neben eigenen Vorstellungen an. Also ab zum Fachmarkt, ordentlich Modelliermasse gekauft, Glasfasermatten und Harz dazu – und am PC wurde eine vollständig neue Optik ersonnen.

My private Idaho

Nachdem am Bildschirm Formen und Linien zu Michaels Zufriedenheit erstrahlten, wurden in mühevoller Kleinarbeit digitale Umrisse in reale umgesetzt: Modelle bauen, Formen herstellen, Teile laminieren... Wer das schon mal gemacht hat, kann sich in etwa vorstellen, wieviel Arbeit das macht und Zeit dabei ins Land geht. Doch irgendwann waren die Teile fertig und montiert, die Sonne lachte, der Asphalt war warm und griffig, Michael war back-on-the-road. Die Arbeit war vergessen, ebenso der Streß mit der vernachlässigten Freundin, alles war heile Welt – bis Odin den Schlagring überstreifte und erneut nach Michael schielte. Und wieder traf es ihn voll ins Gemächte – wieder war es ein unachtsamer Straßenheld. Und wieder ging einiges zu Bruch – unter anderem eine Vielzahl der frisch hergestellten Teile. Fuck you Odin!

Strike two – die Rache der GFK-Ritter

Also ging‘s wieder zurück in die Werkstatt. Michael nutzte die Gelegenheit erneut, um das Bodywork nochmals zu verändern. Wieder laminierte, fräste und bastelte er eine kleine Ewigkeit in der heimischen Werkstatt, wieder verschwand der Haussegen aus der Horizontalen, und wieder wurde alles in Eigenleistung hergestellt. In der folgenden Saison durfte die Max frisch renoviert wieder auf die Straße. Wieder lachte die Sonne, wieder war der Asphalt warm und griffig und... – ja, richtig geraten: Wieder wurde Michael von seiner Max gehebelt, diesmal von einem Kollegen. Odin, jetzt reicht`s. Und täglich grüßt das Murmeltier. Verdammte Axt.

Dreimal ist Oldenburger Recht – Scheiß Murmeltiere

Also ging‘s wieder zurück in die Werkstatt und die Kiste wurde erneut komplett aus dem Anzug gehauen. Was jetzt folgte, war der umfangreichste und radikalste Umbau im Leben der inzwischen zehn Jahre alten und dreimal niedergestreckten Yamaha: Michael ersann ein neues Bodywork und bezog das gesamte Motorrad mit ein. Neben Tank-Attrappe, Maske und Heck gingen auch Lufthutzen, Bugspoiler und Kühlerabdeckung durch seine kundigen und inzwischen unfreiwillig geübten Hände. Die Gabel wurde mit selbstgemachten Brücken und Covern versehen und die Auspufführung ins Heck verlegt, wo eine Z1000-Twinanlage die Entsorgung übernimmt. Unterhalb des Schalldämpfers ging es nicht minder radikal an des Krades Kragen: Eine XXL-Schwinge aus dem Hause Motec wurde eingebaut und eine verbreiterte GSX-R-Felge mit handgemachten Adaptern an den Kardan angeflanscht – dieser sollte unbedingt den Sekundärantrieb weiter bedienen, auf Kettenantrieb wollte Michael keinesfalls umsatteln. Und er mußte es auch nicht: Der 280er Puschen dreht sich geschmeidig im Areal. Die Schwinge selber wurde mit einem zum Bodykit passenden Unterzug versehen und zum stylischen Ausgleich an der Front Bremsscheibenlufthutzen vor die Wavescheiben und Sechsschüsser gebaut. Selfmade – eh klar!

Götterdämmerung

Die Blinker wanderten – sehr zum Leidwesen der kontrollierenden, grün-weißen Fraktion – in die Tankabdeckung und versehen dort dezent ihren Dienst. Die vordere Felge wuchs auf über vier Zoll Breite an und ein Eigenbau-Cockpit gesellte sich zur Brücke. Nebenbei verflüchtigte sich Michaels Freundin nun endgültig, aber dafür ist die Max bis jetzt noch nicht umgefahren worden – ein Schelm, der Böses dabei denkt. Für die Zukunft sind neben einer Hubraumerhöhung auf geschmeidige 1,5 Liter auch ein paar weitere Schweinereien an Motor und Fahrwerk fest eingeplant. Und sollte den Michael jetzt wieder ein Unhold unsanft aus dem Straßenverkehr ziehen, dann... – ja dann gibt`s wirklich was auf`s Maul, Odin!


TECHNISCHE DATEN
Modell: Yamaha Vmax
Besitzer: Michael Mackschin
Motor: Serie, verstärkte Kupplung, Eigenbau-Deckel (Lima, Kupplung, Getriebeausgang)
Wasserkühler: Serie
Vergaser: Serie, Dynojet Stage 7-Kit, Eigenbau-Deckel
Luftfilter: K&N
Auspuff: Kawasaki Z 1000
Rahmen: Serie, verstärkt
Schwinge: Motec, Eigenbau-Unterzüge
Federbeine: Kawasaki ZRX 1200, WP-Federn
Gabel: GSX-R 1100, modifiziert (auf Vmax-Maß verlängert), WP-Federn
Gabelbrücken: Eigenbau, aus Vollmaterial gefräst
Räder: GSX-R, verbreitert, vorn 4,25“ x 18“, hinten 10“ x 18“
Bereifung: vorn 130/60/18, hinten 280/35/18
Lenker: Eigenbau
Bremsen: Wave-Scheiben, Tokico-Sechskolbenzangen, Stahlflexleitungen, Eigenbau-Belüftung
Fußrastenanlage: MEK, modifiziert
Tank: Eigenbau-Attrappe
Verkleidung: Eigenbau
Höcker: Eigenbau
Lufthutzen: Eigenbau
Seitendeckel: Eigenbau
Kotflügel: Eigenbau
Kühlerblende: Eigenbau
Bugspoiler: Motec, stark modifiziert
Armaturen: Serie/Eigenbau, MV Agusta-Bremspumpe, gefräste Hebel
Instrumente: MMB
Lackierung: Suzuki-Farbtöne (Schwarz, Blau, Pearl-Metallic)
Sonstiges: stärkere Batterie, Ducati 916-Lenkungsdämpfer


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