Wer A sagt, muss auch Rmatur sagen





Klar, gibt es Taster-Armaturen auch fertig zu kaufen. Wir haben im Laufe unserer konspirativen Tätigkeiten auch so ziemlich alle möglichen Sorten in den Flossen gehabt und u.a. an Projektbikes verbaut. Aber so richtig glücklich gemacht hat uns keine. Zudem sind wir notorische Eigenbrötler und wollen ganz bestimmte Bestückungen und Anordnungen haben. Die elendigen Armaturen haben sich gefälligst dem Moped und Piloten anzupassen – und nicht umgekehrt. Mit Fertig-Zeugs kommt man auf der Linie jedoch nicht weit.

Darüber hinaus war keine der Armaturen wirklich intuitiv patscherfreundlich. Blindes und sicheres Bedienen komplette Fehlanzeige. Beim Starten drückst du ständig den Hupen-Knopf und damit du beim Abbiegen tatsächlich den Blinker erwischt und nicht aus Versehen stattdessen das Fernlicht aktivierst, musst Du vor dem Akte einen Blick auf den Lenker werfen. Mega unpraktisch und man macht sich ständig zum Horst. Und dafür hast man dann auch noch einen dreistelligen Betrag abgelatzt. Extrem ungeil.

Also bauen wir uns die Dinger eben maßgeschneidert selber. In diesem Kapitel beschäftigen wir uns mit Gehäuse-Armaturen, bzw. deren mechanischen Aufbau. Details zu den Tastern und Schaltungen findet ihr in den jeweiligen Kapiteln, ebenso einen zweiten Typ von Armaturen.

Das für den Bau benötigte Material und Werkzeug hält sich in Grenzen. Eine Bohrmaschine nebst Bohrern ist der Kern der Sache. Dremel und oder Fräsbohrer erleichtern die Sache, eine Drehbank hilft, ist aber nicht notwendig





Als Rohstoff für die Armaturen verwenden wir entweder Aluminium (wenn es pornös glänzend zugehen soll) oder POM für notorische Schwarzseher (auch in Weiß erhältlich). Letzteres lässt sich zudem deutlich leichter verarbeiten als Alu, weshalb es sich für einen Probeschuss auch für den Fall lohnt, dass das finale Klavier aus Leichtmetall erschaffen werden soll. 45 bis 50mm Wellen-Durchmesser haben sich bewährt. Das jeweilige Maß hängt von der Bestückung und den verwendeten Tastern ab





Als erstes schneiden wir uns eine Scheibe in der gewünschten Dicke ab (wiederum abhängig von der angedachten Bestückung)





Der Rohling wird dann geometrisch in Form gebracht, entweder auf der Drehbank oder mit der Feile und anschließendem Schlichten mittels auf eine ebene Fläche geklebten Schmiergels. Das geht besser als es sich anhört



Als nächstes folgt die Lenkerdurchführung. Um das Gehäuse später so klein wie nur möglich zu halten, setzen wir das Loch außermittig, so dass nur dort Fleisch stehen bleibt, wo wir die Taster einsetzen wollen. Wir fangen mit einem kleinen Bohrer an



… und arbeiten uns bis zum Lenkerdurchmesser vor. Das geht wunderbar mit 22mm Bohrern mit 13er Schaft. Gibt's für nen schmalen Taler in der Bucht, muss nix Dolles sein, wir bearbeiten sehr widerstandarme Materialien



Einen alten ausgemusterten Lenker nebst rostigen Risern salben wir zum Dummi für den weiteren Aufbau. Das schont das Gehöhr am Ofen



Der Rohling lässt sich schon mal saugend schmatzend aufschieben und passt wunnäbaa. Hat schon verloren, die Sau



Nun bohren wir die Löcher für die Taster. Obwohl das Muster-Gehäuse recht kompakt ist, werden wir nicht weniger als insgesamt acht Taster einpflanzen



Zum Einsatz kommen zwei verschiedene Größen von Tastern. Die kleinen sind für eher selten benötigte Nebenfunktionen wie Tacho-Bedienung und ECU-Optionen, die größeren steuern Blinker, Licht, Hupe und Co



Die Taster werden leicht versenkt verbaut. Die Äußeren etwas tiefer als die Kollegen zur Lenkermitte hin. Das Erleichert das spätere Erfühlen und verhindert ungewollte Doppelbedienung



Beim Bohren und Senken darauf achten, dass ausreichend Einbautiefe für die Taster über bleibt. Wenn die Kontakte später gegen den Lenker kommen, wäre das reichlich doof



Nach Abschluss der Bohrarbeiten wird das Gehäuse final verschliffen, in die gewollte Form gebracht und für die Politur vorbereitet – alles fein per Flosse



An der Stelle, die später die Unterseite der Armatur bildet, bohren wir zwei parallele Löcher und schneiden Gewinde hinein



Mit eingesetzten Madenschrauben wird die Armatur später gegen den Lenker geklemmt und gegen Verrutschen und Verdrehen gesichert



Bei der Bestückung kann man durchaus kreativ zu Werke gehen. Das Gehäuse ist inzwischen poliert und fertig bearbeitet



Kreativ sein kann man auch bei der Gehäuseform. Es muss nicht zwingend Rundmaterial sein, Vierkante tun’s auch



Der Weg zum Ziel ist immer der gleiche: Lenkerloch vorbohren...



... dann bis auf das Lenkermaß weiten



Und zum Schluss Löcher für die Taster prökeln. Und in diesem Fall mitsamt zusätzlicher Kanäle für die Kabelführungen an der Unterseite



Aufhübschen und fertig ist die Micro-Armatur für zwei Taster/Schalter, Also z.B. Starter und Killschalter





Das Loch für den Lenker muss nicht zwangsweise gerade verlaufen. Bohrt man leicht schräg, erhöhrt das den späteren Bedienkomfort



Gleiches gilt für die Tasteführungen





Hier eine noch rohe Muster-Armatur aus POM für 6 Taster. Es steht nirgends geschrieben, dass man zwei braucht Bekommt man alle Funktionen auf einer Seite unter, kann die andere Lenkerseite frei bleiben. Die Bohrrichtung muss nicht stur zum Zentrum verlaufen. der Gewählte Winkel bestimmt die spätere Auslöserichtung des Tasters und wie gut er sich befingern lässt







Je nachdem, wie die Taster-Kanäle angeordnet sind, muss man evtl. die Armatur noch etwas entkernen, damit die Kabel Platz haben



Wenn man gut geplant und gepeilt hat, passt es aber auch ohne





Wichtig ist, dass später nichts am Lenker anliegt oder scheuert. Wenn alles sitzt und funktioniert (Probe mit dem Multimeter auf Durchgangsfunktion), macht es Sinn das Innenleben mit Karosseriedichtmasse hermetisch zu verschließen. Silikon oder Acryl sind an dieser Stelle die falsche Wahl



Wir bauen ausschließlich Armaturen mit externer Kabelführung. So kann man die Gehäuse später leichter abnehmen und justieren. Ist TÜV-technisch auch unproblematischer







Wobei das Verlegen der Kabel durch den Lenker kein Problem wäre. Nicht einmal bei unseren 6er-Pianos. Komplett isoliert und gebündelt ist der Strang nicht einmal 5mm dick



Final haben wir für die Suturbi zwei Gehäuse gebaut. Für rechts ein Zweier mit einem Taster für den Anlasser, den wir leicht schräg eingesetzt haben, weil ihn der Daumen so natürlicher findet sowie einem zweiten Taster ohne bisherige Funktion als Option zum Nachrüsten für später





Links sitzt ein Achter-Schaltschrank, der sowohl Licht, Blinker, Tacho als auch ECU ansteuert. Auch hier ist ein Taster noch nicht belegt, ebenfalls als optionaler Platzhalter. Wer weiß, was uns noch in den Kopf kommt. Trotz der Multi-Bestückung ist das Gehäuse sehr kompakt und obenrum sogar kleiner als das benachbarte Griff-Gummi



Implantiert man auf der Vorderseite Taster, ist es nicht ganz doof zu checken, dass der Kupplungshebel nicht mit ihnen kollidiert. Ist sonst doof, wenn man beim Gangwechsel oder vor der roten Ampel mit dem Hebel die Hupe auslöst.





Die hinteren Taster sind so angeordnet, dass sie alle horizontal ins Gehäuse driften. Allesamt zudem unterhalb des Lenker-Äquators. So muss man sich den Daumen bei Turnübungen nach oben nicht auskugeln oder gar die Patscher vom Lenker lösen. Wir haben im Vorfeld am Lenker viel Probegedrückt und uns so die für uns bequemsten Positionen ergrabbelt. Durch die Verstellbarkeit der Armatur erfolgte dann das Feintuning am lebenden Objekt



Die möglichen Ausführungen sind nahezu grenzenlos







Finanziell war die Aktion mehr als überschaubar. Die verbauten Armaturen haben zusammen keine 20 Doppelmark an Material-Kosten verbrannt, Taster und Kabel bereits mitgerechnet. Mal ganz abgesehen davon, dass wir für kein Geld der Welt Gehäuse in der von uns gewollten Anantomie und Funktionsvielfalt hätten kaufen können. Und wollen schon mal gar nicht. Die Arbeitszeit ist überschaubar, der Werkzeugbedarf ebenfalls. Trotzdem nichts für Leute, die schon beim Auswechseln von Griffgummis oder der Blinker-Montage Schweißausbrüche bekommen, sondern eher etwas für ambitionierte Naturen mit Spaß am Bauen.




Disclaimer/Warnhinweis:
Dieser Bericht dient lediglich der Veranschaulichung der von uns durchgeführten Arbeiten. Er ist auf keinen Fall Aufforderung oder Ermunterung zum Nachmachen und will auch nicht so verstanden werden. Wir raten ausrücklich davon ab, die durchgeführten Arbeiten, egal ob komplett oder auszugsweise nachzumachen, da daraus sowohl für Material als auch Leib und Leben (auch das Dritter) explizite Gefahren erwachsen. Darüber hinaus führen derartige Arbeiten u.U. zum Erlöschen der Betriebserlaubnis und/oder Garantie- oder Gewährleistungsansprüchen. Also bitte auf keinen Fall nachmachen! Wer dies dennoch tut, handelt entgegen unserer ausdrücklichen Warnung als auch Intention und ausschließlich sowie umfassend auf eigene Gefahr und ist für alle hieraus erwachsenden Konsequenzen und Schäden eigenverantwortlich.


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