Alterserscheinung

„Mit jedem Jahr, das ich älter werde, werden die Umbauten extremer und die Sache mit dem TÜV immer unwichtiger.“

Wir sind natürlich tief erschüttert und können diese Aussage von Ulf gar nicht gutheißen – aber wo er Recht hat, hat er Recht. Ulf gehört dieses Sahnestück von Martin, das er in mühevoller und zeitaufwendiger Klein- und Großarbeit über die Jahre hat reifen lassen.

Black and White

Natürlich ist die Schwarz-weisse Schönheit nicht Ulfs Erstlingswerk. Er fährt und schraubt sich bereits seit Jahrzehnten durch den Hamburger Raum und hat dabei schon einige Etappen hinter sich. Nach anfänglichen Eskapaden auf verkleideten Rennpferden brachte er diese Gattung Mitte der Neunziger endgültig zur Abdeckerei und machte sich auf die Suche nach Ersatz für die vollverschalten Racer. Anfangs wußte er nicht so recht wohin mit sich und dem Geraffel. Verkleidungslos sollte es schon sein, aber die seinerzeit angebotenen Nakedbikes entsprachen mit ihrem pummeligen Auftritt kaum seinen Vorstellungen. Daß Dicke unbekleidet nicht jedermanns Sache sind, weiß man spätestens nachdem man mit Dirk Bach in der Sauna war.

Bausparkasse

Wenn sich nichts Passendes sowie Fertiges findet, muß man es eben bauen. Und als Ulf dann auch noch eines der ersten Fighters-Magazine in die öligen Finger bekam, war die Birne geschält und der Weg bestimmt. Vornehmlich mit den üblichen Verdächtigen trieb er die kommenden Jahre seine wilden Spiele. Reihenweise verloren Gixxer ihre Plastikmäntel und bekamen im Gegenzug immer breitere Räder mit immer wuchtigeren Reifen spendiert, gerne auch mal auf Einarmschwingen. Mit der Zeit verlor diese Spezies aber mehr und mehr an Attraktivität für Ulf, der sich nach exklusiverem Material sehnte. Dabei spielten weniger pseudoelitäre Gedankengänge die erste Geige, als vielmehr pragmatische Beweggründe. Alleine die Seltenheit und die altersbedingten Möglichkeiten in Sachen Zulassung der ins Visier genommenen Arten, waren Grund genug hier aufzusatteln.

Zentralorgan

Zentralrohrrahmen waren Ulf nicht filigran genug. So sondierte er das Angebot an Gitterrohrkonstrukten und schoß sich recht fix auf französisches Material von Martin ein. Unerfreulicherweise erwies sich die Jagd auf brauchbares und bezahlbares Gerät dieser Marke als nicht ganz einfach. Das Erlegen von kopffüßigen Kellerasseln in der Nordmole von Waikikki ist dagegen der reinste Abendspaziergang. Als Ulf dann auch noch nach etwa einem Jahr Suche ein gutes Angebot durch die Lappen ging, wurde das Vorhaben erst einmal wieder ad Acta gelegt...

Zwangspause

... bis sich zwei Lenze später an gleicher Stelle erneut ein scheues Reh auf der Böschung zeigte. Diesmal zögerte Ulf nicht lange, griff zur ganz großen Kelle, trat aus dem Wald und semmelte dem französischen Paarhufer eins mit der EC-Karte über. Den erlegten Torso warf Ulf in den Laster und brachte ihn ins heimische Schlachthaus. Zu zerlegen gab es an dem Kadaver aber nicht viel, denn außer dem Rahmen selber gehörte so gut wie nichts zum Kaufumfang. Das war Ulf aber nur recht, denn was die Komponentenwahl anging, hatte er ganz konkrete Vorstellungen. Und genau die wurden ihm noch zum Verhängnis und zögerten die Fertigstellung ein ums andere Mal heraus. Ulf kümmerte sich nämlich einen Scheiß darum, ob die erwählten Brocken an den Rahmen paßten, sondern legte nur Wert darauf, daß sie ihm gefielen. Man muß nicht viel Vorstellungskraft besitzen, um sich auszumalen, was für ein Akt es alleine war, die 200er Pelle auf der sechszölligen Felge mittig in den Rahmen zu spannen, der ursprünglich für einen 130er konzipiert wurde. Die ZRX Schwinge war da auch keine große Hilfe, denn ihre Montage war ebenfalls alles andere als eine Wurfpassung.

Wiedervereinigung

So wurde Teil um Teil umgeschweißt, modifiziert oder auch auf Links gedreht, bis sich so etwas wie ein Motorrad abzeichnete. Als Triebwerk verpflichtete der Hanseat einen Banditmotor, der aber vor dem Einbau noch ins Fitneßstudio mußte. 1216ccm, eine Kopfüberarbeitung sowie feinjustierte Steuerzeiten plus Yoshimura-Nockenwellen und RS-Vergaser helfen dem Vierzylinder mächtig aus dem Quark und sorgen für erbaulichen Schub.

Tankstelle

Etwas oberhalb dieser Baustelle kristallisierte sich eines der Hauptprobleme des Aufbaus heraus: das Spritfaß. Ein ansehnlicher Kandidat war nicht zu finden oder preislich in Regionen einer Nacht mit den New York Giants im führenden Blow-Job Bunker der Stadt – Schampus inklusive. Hier kehrte Ulf dann zu seinen umbauerischen Wurzeln zurück und verdingte den Benzinbehälter einer GSX-R 1100 W, der natürlich beim ersten Anhalten kein Stück paßte. Verantwortlich für das Ungemach war die Unterseite der Blechblase, welche mittels mehrerer kastenförmiger Geschwüre das Volumen opulent hält. Diese Auswüchse sahen nicht nur völlig dämlich aus, sondern gingen auch mit Vergasern und Zylinderkopf des Bandit-Herzens auf Kollisionskurs.

Fundamental

Ulf schnitt der Blechblase kurzerhand den gesamten Boden vom Leib und fertigte einen neuen planen an, der nicht nur optisch einiges an Pluspunkten brachte, sondern auch für genügend Freiraum zum Kraftwerk sorgt. Den seitlichen Abschluß zum Rahmen übernehmen im vorderen Bereich eigens angefertigte Blechstreifen. Alternativ wäre auch eine Tankverbreiterung des Behälters in Frage gekommen, den Ansatz verwarf Ulf aber bereits im ersten Planungsstadium, da er die gewonnene schlanke Linie nicht wieder verlieren wollte. Nachdem abschließend die Ducatigabel nebst Eigenbaucovern montiert und mit LSL-Lenkereien versehen war, ging es ans farbliche Finish des Rohwerks. Ulf entschied sich für weiße Lackteile und verpaßte dem normalerweise in blinkendem Nickel erstrahlenden Rahmen einen Pulverüberzug in matter Shrinkle-Optik. Inzwischen hat das Gesamtwerk auch den Segen des TÜVs bekommen, auch wenn Ulf das gar nicht mehr so wichtig ist, wie wir ja aus seinem Eingangsstatement wissen. „Aber schaden tut´s auch nicht“.


TECHNISCHE DATEN
Marke/Modell/Bj.: Moto Martin Bj.85
Erbauer: Ulf Jacobsen
Motor: Bandit 1216er Wiseco, modifizierter Zylinderkopf, erhöhte Verdichtung, feinjustierte Yoshimura-Nockenwellen mit verstellbaren Rädern
Ölkühler: RACIMEX mit Flexleitungen
Vergaser: Mikuni Flachschieber RS 38
Luftfilter: K&N
Krümmer/Auspuff: Speed Products, Ixil X-treme
Rahmen: Martin GSX 1100 E, gecleant und modifiziert, Eigenbaumotorhalteplatten, Umbau auf schraubbaren Heckrahmen
Heckrahmen: Eigenbau Alu, schraubbar
Schwinge: ZRX 1200 modifiziert und verstärkt für Cantilever-Anlenkung
Federbein/Umlenkung: WP modifiziert
Gabel: Ducati Monster mit Eigenbau-Covern
Gabelbrücken: GSX-R 1000
Räder: Yamaha R1 modifiziert
vorn:3,5x17
hinten:6x17
Bereifung: Metzeler Sportec
vorn: 120/70ZR17
hinten: 200/50ZR17
Lenker/Riser: LSL Sport Match
Bremsen:
vorn: R1/ZX12 R
hinten: R1/GSXR 1000
Fußrastenanlage: Rairotec, schwarz eloxiert
Tank: GSX-R 1100 W, modfiziert
Maske/Scheinwerfer: Yamaha MT03, Halter Eigenbau
Höcker/Sitzbank: Big Shorty, Sitzkissen Krokodilleder
Kotflügel: Eigenbau
Bugspoiler: Motorbike
Armaturen/Schalter/E-BOX: Bandit 1200
Instrumente/Anzeigen: Fahrradtacho
Lackierung: Weiß, matt
Sonstiges: 520er Racingkette, Kettenrad Einzelanfertigung, kurz übersetzt


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