Carpe Diem

Wenn du richtig geil auf Poppen bist, dann rennst du untenrum nur mit Chaps bekleidet in die Disse, weil du dir die Zeit zum Schlübber runterreißen sparen willst. Wenn Du geil auf einen amtlichen Vollrausch bist, steckst du dir mit Wodka getränkte Tampons ins Rektum, um die Zeit nicht mit Schlucken zu verplempern. Arne war richtig geil auf Fighter – und hatte deshalb seinen ersten schon bevor er sich auch nur zum Führerschein anmeldete.

Der prä-lappige Erwerb eines Untersatzes an sich ist schon eine seltene Sache. Wenn das aber nicht reicht und der Koffer auch noch von Anfang an dem eigenen, ganz speziellen Beuteschema entsprechen muss, dann bist du einer der ganz wenigen ganz Kranken. So wie Arne. Nachdem mit Erreichen der Volljährigkeit endlich die Möglichkeit bestand, hemmungslos das auszuleben was er die vorangegangenen Jahre im Heft mit dem großen „F“ nur erlesen konnte, wanderte er – zwar ohne Sturmhaube und Uzi, dafür aber mit dem Sparbuch bewaffnet – in die nächste Filiale seiner Hausbank und zwang den Schalterschergen zur Herausgabe geeigneter Summen.

H1F1

Ein weiterer Indikator für den Grad der Infektion sind zwei Parameter, die sich Arne ins Lastenheft schrieb: Er wollte sich nämlich den Start ins Schlagringleben nicht per schwerem Material mit Frustrationspotential für Einsteiger versauen, sondern lieber einen leichtfüßigen Gesellen chauffieren. Und darüber hinaus sollte dieser keiner sein, der an jeder Ecke herum steht. Meine Oma würde angesichts dieser Wunschliste jetzt sagen: „Junge, ich kann dir die Spiegeleier auch hochkant braten.“

400 Eier

Arne ist aber durchaus mit der vertikalen Zubereitung von aufgeschlagenem Hühnerauswurf vertraut. Und so war die Beschaffung eines glücklich machenden Untersatzes ein durchaus aussichtsreiches Unterfangen. Eine 400er CBR wurde erspäht, anvisiert und gekauft. Das Teil war schon leidlich umgestrickt, die Auswahl der verbauten Teile ließ aber auf einen Menschen mit nicht vorhandenem visuellem Harmoniebedürfnis schließen. Die Brocken waren schlicht viel zu groß für den kleinen Zossen. Doch für tiefgreifende Interventionen in die Kradanatomie war erst einmal keine Zeit. Der Lappen musste ja noch her. Die Fahrstunden absolvierte Arne gleich mal auf dem eigenen Moped – so musste er nicht bis zur Aushändigung der legitimierenden Plastikkarte warten, um in den Genuss erster Fahrten mit dem eigenen Hobel zu kommen.

Legalize it!

Nachdem erst der Fahrprüfer und danach automatisch auch Arne zufrieden waren, konnte er fortan nicht nur die Fahrtrouten selber bestimmen, sondern sich im anschließenden Winter auch der Umsetzung seiner Vorstellungen widmen. Um sich nicht zu übernehmen, nahm er für die sensiblen Bauabschnitte die Hilfe von Indi-Bikes in Anspruch, die sich z.B. um den Heckrahmen, Schweißarbeiten und das Stricken einer komplett neuen Elektrik kümmerten. Aber nicht ohne dass Arne permanent Gewehr bei Fuß gestanden und die Richtung bestimmt hätte. Bei für Einsteiger weniger tückischen Baustellen legte der Jung-Infizierte natürlich selber Hand an und ließ es sich nicht nehmen, seiner Kleinen den eigenen Stempel aufzudrücken.

Doppelte Arbeit

Bei der Tiefe der Eingriffe nützte es nur wenig, dass die RR bereits umgebaut war. Es musste sowieso alles neu gemacht werden. Nachdem sich Arne für einen Höcker und eine Maske von Bimbo‘s entschieden hatte, wurden die entsprechenden Unterbauten in Angriff genommen. Heraus kamen ein frisches Heckfundament, sowie eine passende Aufnahme für das Lampengesicht. Während das federnde Frontend unangetastet blieb, wanderte eine formschöne CBR 600-Schwinge zwischen die hinteren Aluprofile und macht den Bereich eine ganze Ecke stiftiger. Damit sich die Auspuffanlage nicht lustlos in der Nachbarschaft herum lümmelt, wurde deren Verlauf noch schnell korrigiert und den neuen Platzverhältnissen angepasst.

Gegen

In Sachen Elektrik blieb keine Elektronenbahn auf der anderen. Eine Tasterarmada wanderte an den Lenker und befehligt die im Höcker verborgene M-Unit. Den nötigen Saft liefert eine kleine und leichte LiFePo4 Batterie, die in 3,2AH Ausführung leichtes Spiel mit den kleinen Einzelhubräumen hat. Bei der Farbwahl ging es Arne eher konventionell an und vertraute auf die zeitlose Wirkung von freundlichem, hellem, leuchtendem Schwarz. Bei all der bis dahin an den Tag gelegten ehrgeizigen Eigenwilligkeit darf man auch ruhig mal auf Vertrautes setzen. Und da bei Arne kein Abklingen der Infektion feststellbar und er noch jung an Lenzen ist, wird sich in Zukunft sicher noch das eine oder andere individuelle Lack-Projekt abzeichnen. Dafür braucht man nicht in die Glaskugel zu glotzen oder in altem Fisch zu lesen – denn Arne ist geil!


TECHNISCHE DATEN
Marke/Modell/Bj.: Honda CBR 400 RR, Baujahr 1990
Besitzer: Arne
Erbauer: Indi Bikes und Arne
Krümmer/Auspuff: Eigenbau
Heckrahmen: Eigenbau
Schwinge: Honda CBR 600 R
Lenker/Riser: LSL
Maske/Scheinwerfer: Bimbo‘s 666
Höcker/Sitzbank: HCF-Höcker, Kunstlederbezug auf Eigenbaupolster
Armaturen/Schalter/E-BOX: Revolver 4 Taster, M-Unit
Instrumente/Anzeigen: Digi-Tacho
Lackierung: schwarz
Sonstiges: LiFePo4 Starterbatterie, Ferrara-Lenkerenden-Spiegel, Kellermann-Blinker


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