Plan-E

Mit gezücktem Seitenschneider in der einen und einem Strang jungfräulicher Kabel in der anderen, auf den Bock loszustürmen und in blinder Raserei Strippen zu verlegen als gäbe es kein Morgen, endet unausweichlich im Chaos – und das können wir gerade beim elektrischen Nervenkostüm nicht gebrauchen. Wer seinen Hobel von Grund auf neu verlitzen will, braucht einen Plan. Oder noch besser: gleich mehrere. Gute Pläne beschleunigen nicht nur die tatsächliche Arbeit, sondern liefern auch wesentlich effizientere Ergebnisse. Ein paar einfache Grundprinzipien zu beachten hilft:

Das erste Gebot: Du sollst keine langen Wege haben. Anzustreben sind immer möglichst kurze Strecken zwischen den zu verdrahtenden Bauteilen und somit kurze Kabel. Deshalb macht es Sinn, sich die Anordnung der Krad im Vorfeld gut zu überlegen und dabei die Bedürfnisse der jeweiligen Brocken zu berücksichtigen. Beispiel: Den Regler vorne unter der Maske und die Batterie hinten im Höcker zu platzieren, ist suboptimal. Denn das erzeugt sehr lange Strippen von der LiMa zum Regler. Und von hier aus muss dann eine Trasse für den Ladestrom über den kompletten Hobel bis zu dessen Rektum verlegt werden, damit der Saft an der Batterie ankommt. Dem Gesetz der zentralisierten Massen folgend, macht es deutlich mehr Sinn, den Regler so dicht wie möglich an den Generator heran zu rücken und auch die Batterie nicht unnütz weit weg zu deportieren. Kurze Kabel = bester Stromfluss, weniger Störungsanfälligkeit und schlankere Bäume.

Erste Plaungsskizze für die Neuverkabelung unserer Suturbi. Sie dient lediglich der Standortbestimmung und gibt einen Überblick darüber, wieviele Kabel von wo nach wo gezogen werden müssen




Gleichzeitig ist im Auge zu behalten: Regler sind thermische Mimosen. Sie mögen gut belüftete, kühle Refugien und verrecken in der Sauna. Oberhalb des Zylinderkopfes, unter dem Auspuff oder zwischen den Krümmern sind also ganz, ganz doofe Standorte. Ideal dagegen sind z.B. das hintere Radhaus (tatsächlich so ziemlich der bestbelüftete Platz am Moped) oder eine exponierte Stelle abseits von Wärmequellen. Unterhalb der Schwinge, hinter der Fußrastenplatte – beides sehr gut geeignete Positionen. Pflanzt man dann noch den Akku in Reichweite an, beispielsweise unterhalb der Sitzfläche, erhält man zum Dank auch hier schön kurze Wege. Es macht also Sinn, sich genau zu überlegen, was wohin soll.

Mit diesem Plan haben wir sowohl die einzelnen Sicherungskreise mitsamt Ampere-Werten festgelegt, als auch die benötigten Relais-Schaltungen. Ist also quasi die Basis für unseren Teile-Einkauf



Lageplan für die notwendigen Schaltungen und Basis für den Bau unserer eigenen Schaltboxen. Da wir diese selber stricken, müssen wir, anders als bei Kaufkrempel, uns nicht auf einen festen Montageort festlegen, sondern können die Sachen sinnvoll aufteilen




Das zweite Gebot: Du sollst zwei weitere Stränge neben mir haben. Also insgesamt drei – wie mathematisch bewanderte Füchse bereits erfasst haben werden. Dahinter steckt nichts weiter, als der Ansatz, den Kabelbaum zu gliedern und nicht einfach alles in einem zusammenzufassen. Es macht Sinn, drei Kreise zu verlegen. Jeweils einen für den Ladestrom (also LiMa/Regler/Akku), einen für Motor-relevante Bauteile (ECU/Zündspulen/Einspritzdüsen etc.) und einen dritten für Einrichtungen wie Licht, Tacho, Blinker usw. Das erleichtert nicht nur die Planung und spätere Umsetzung, sondern hat auch technische Vorzüge – auf diese gehen wir in den jeweiligen Buteil-Kapiteln detailliert ein.

Wird eine Tastersteuerung angepeilt, so macht es ebenfalls Sinn sich im Vorfeld zu überlegen, was man eigentlich genau schalten will. Davon abhängig ist die Auswahl der Steuerbox und Anzahl der benötigten Taster, also der Armatur. Wer unserem Workshop zum Eigenbau von Armaturen und Schaltzentrale folgen will, benötigt diese Phase ebenfalls, legt sie doch die spätere Teileliste fest.

Da wir auch die Tasterarmaturen selber bauen, können wir auch deren Belegung frei bestimmen. Das erfolgt ebenfalls über einen einfachen Plan. Und da wir perspektivisch denken, haben wir jeweils einen Platz mehr eingeplant, als wir aktuell brauchen. So läßt sich später unkompliziert eine Funktion nachrüsten. Auch das gehört zur Planung




Das dritte Gebot: Du sollst begehren deines nächsten Schaltplan. Heißt: besorgt euch unbedingt die originale Stromlauflandkarte eures Hobels – auch wenn ihr alles komplett neu ziehen wollt. Der OEM-Plan enthüllt die korrekte PIN-Belegung der einzelnen Bauteile, wie z.B. Regler, Zündbox, Fühler, Sensoren und Co. – er sollte also ebenfalls parat liegen.

Ob am PC, mit beschrifteten Legosteinchen oder klassisch mit Bleistift und Papier - scheißegal! Wichtig ist einzig, dass ihr zurecht kommt. Am Ende ist es keine Kunst und kann weg




Das vierte Gebot: Du sollst malen bis der Arzt kommt! Es spielt keine Rolle, ob digital am PC oder analog mit dem Bleistift auf der Rückseite einer McDonalds Tablett-Unterlage: Malt euch die Sachen auf. Die Skizzen müssen keinen Elektriker-Normen entsprechen – sie müssen lediglich für euch selber visualisieren, was ihr vorhabt. Am PC geht das mit einem einfachen Malprogramm sehr schön und hat den Vorteil, dass man Veränderungen einfach vornehmen kann. Die Vorab-Pläne können nach Bau-Fertigstellung getrost in die Tonne, sie helfen nur bei der Planung und haben sonst keine Funktion. Mit ihrer Hilfe bestimmt ihr eure Einkaufsliste, wisst, wie viele unterschiedliche Kabelfarben ihr braucht und wo die einzelnen Teile am Hobel zu montieren sind. Nehmt euch für die Phase viel Zeit, denn ansonsten folgt daraus das letzte Planungsgebot: Scheiß Planung = Scheiß Ergebnis! Und wer will das schon? Bekomme ich ein Amen?! Handgemaltes Pendant zum digital erzeugten Lageplan von oben. Funktioniert genauso










Disclaimer/Warnhinweis:
Dieser Bericht dient lediglich der Veranschaulichung der von uns durchgeführten Arbeiten. Er ist auf keinen Fall Aufforderung oder Ermunterung zum Nachmachen und will auch nicht so verstanden werden. Wir raten ausrücklich davon ab, die durchgeführten Arbeiten, egal ob komplett oder auszugsweise nachzumachen, da daraus sowohl für Material als auch Leib und Leben (auch das Dritter) explizite Gefahren erwachsen. Darüber hinaus führen derartige Arbeiten u.U. zum Erlöschen der Betriebserlaubnis und/oder Garantie- oder Gewährleistungsansprüchen. Also bitte auf keinen Fall nachmachen! Wer dies dennoch tut, handelt entgegen unserer ausdrücklichen Warnung als auch Intention und ausschließlich sowie umfassend auf eigene Gefahr und ist für alle hieraus erwachsenden Konsequenzen und Schäden eigenverantwortlich.


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