FZR 1000

Mister Universum

Die Steiermark ist wie keine zweite Region auf diesem Planten berühmt für ihre aufgepumpten Exportschläger. Neben Arnold Schwarzenegger ist da auf jeden Fall noch McBain zu nennen und seit Neuestem auch eine FZR, die von Markus ins Fitness-Studio auf die Hebebühne geschickt wurde und reichlich Anabolika und Steroide zu schlucken bekam. Erfreulicherweise hat das Teil keine Ambitionen, in den USA einen Posten als Senator anzunehmen oder in einem Epos abgetakelter 80er-Jahre Actionhelden an der Seite von Stallone eine Nebenrolle zu übernehmen. Aber dafür ist sie auch noch viel zu jung.

Schobba

Normalerweise schraubt Markus an langgabligen Custombikes herum, die vorzugsweise mit amerikanischen Rüttelplatten-Motoren bestückt sind. Von Haus aus ist der visionäre Mittdreißiger aber auch mit einer gesunden Adrenalin-Sucht ausgestattet, die ihn immer wieder ins dynamiklastige Lager der Sportverdächtigen linsen ließ, bis er eines erbaulichen Tages im vergangenen Jahr entschied, es wäre dringend mal an der Zeit seine Finger ins Fighters-Segment auszustrecken und mit einer radikalen Kreation zu beglücken. Eine vernünftige Idee.

Anna Bolika

Das Lastenheft des Vorhabens war anfangs nur locker bekritzelt. Ein üppiger Arsch, eine ungewöhnliche Front, kein Plastik und eine Minimierung des finanziellen Risikos waren die einzigen Vorgaben. Letztere zeugt von Markus Erfahrung und Bodenständigkeit, denn nicht selten kommt es bei allzu ehrgeizigen Projekten vor, dass sie auf der Zielgeraden verrecken und den Asphalt nur von unten sehen. In diesem unanstrebenswerten, aber nicht auszuschließenden Fall sollte zumindest kein zu tiefer Krater im Bankkonto verbleiben.

No country for old men

Deswegen griff der Schrauber auch nicht zu einem kostspieligen Neugerät als Basis, sondern zerrte den Leichnam einer ältlichen FZR aus einer weitgehend unerforschten Ecke seiner Werkstatt und bestimmte die Ruine zur Basis des ehrgeizigen Unterfangens. Ganz nebenbei ermöglichte die Kombination aus verhältnismäßig unspektakulärer Basis und ambitioniertem High-End Vorhaben einen Kontrast, wie man ihn durch ausschließliche Verwendung zeitgenössischen Materials nicht erzielen kann. Charakter wächst mit dem Alter, auch wenn Udo Lindenberg, Theo Waigel und Kartoffelsalat lebende Gegenargumente zu dieser These sind, die einfach nur runzeliger werden, immer strenger riechen und dem Konsumenten auf den Magen schlagen.

Augenstern

Mit frischem Geist und von Betriebsblindheit verschont, ging Markus festen Schrittes auf die Sache zu und begann mit der Arbeit. Gerade Menschen, die sonst ein anderes Feld beackern, sind oft eine Bereichung und brechen angerostete Strukturen mit frischen Ideen auf. Gut, wer Peter Ludolph schon mal hat Kochen sehen wird mit recht einwenden, dass auch diese Aussage nicht ausnahmefrei Gültigkeit hat. In Markus’ Fall war das aber erfreulicherweise so, was sich an jeder Ecke des fertigen Mopeds zeigt. Richten wir unseren Blick dorthin, wo er nach Meinung der Grundausbilder bei der Bundeswehr hingehört: frei geradeaus. Bereits das erste Bauteil, welches sich dabei auf der Netzhaut abbildet, ist für die straßenkämpfende Spezies ungewöhnlich. Vier Zoll mehr Durchmesser als gewöhnlich rotieren in dreiteilig verschraubter Form in einer vercoverten Gabel, deren Durchmesser grösser ist als jener, der für Blauwal-Vibratoren gemeinhin als notwendig angesehen wird.

Under Cover

Nicht weniger ungewöhnlich zeigt sich die Verblendung des oberen Gabelbereichs. Aus Rundstählen wurde ein Käfig geschaffen, aus dem ein einzelner DE-Scheinwerfer einen Ausbruchsversuch wagt. Obere Brücke und Lenker bilden eine homogene Einheit, die weder durch sichtbare Bowdenzüge, noch durch hässliche Kabelgedärme in ihrer Ästhetik malträtiert wird. Man zahlt ja auch nicht ein Vermögen an Megan Fox, damit sie nackig auf dem Tisch tanzt und umtüdelt sie dann mit Telefonspiralschnüren. Macht man nicht, sieht nur doof aus, es sei denn man ist auf der Weihnachtsfeier des evangelischen Fetisch-Stammtisches der Telekom Düsseldorf.

Blendfrei

So beeindruckend es schon vor dem Lenkkopf zugeht, so heftig wird’s erst dahinter. Gut, Lufthutzen auf dem Tank gab es schon öfter, aber diese hier ist voll funktional und kein effekthaschender Fake. Die Drosselklappen bewegen sich nicht nur der Optik halber, sondern sind tatsächlich die Mündungen der Airbox und nuckeln sauerstoffgierig an den bodennahen Luftschichten. Eine Etage tiefer finden sich seitlich des Triebwerks geschwungene Verkleidungsteile, die sowohl den Wasserkühler geschmeidig flankieren, als auch die mutantenhässlichen Motoraufnahmen der FZR kaschieren. Das Konstrukt ist komplett aus Metall gedengelt, ganz nach Markus’ Dogma. Rechterhand stecken vier Rundinstrumente im Cover. Nein, hier kann man nicht die Ortszeiten von Tokio, New York, Wien und Ostrhauderfehn ablesen, sondern wird detailliert über den Betriebszustand des Trieblings informiert. Digitale Einheiten kamen aus stilistischen Gründen nicht in Frage, Zeiger riechen einfach deutlich sportiver.

Four-Midabel

Der hinter dem stählernen Vorhang werkelnde Motor ist weitestgehend im Originalzustand – und steht damit ziemlich alleine auf weiter Flur. Schon beim Auspuff ist wieder Schluss mit Serie. Vier einzelne Flötenrohre ziehen sich bis unters Heck und münden dort neben dem reizvoll upside-down montierten Sparto-Rücklicht ins Freie. Übrigens vollkommen Vorschriftskonform und legalisiert (wie auch der Rest des Aufbaus), denn Philip, Besitzer des Einzelstücks, ist mit dem zugelassenen Gefährt im öffentlichen Straßenverkehr aktiv.

Gute Schwingungen

Unterhalb der Mündungen rotiert, einarmig aufgenommen, eine Felge im Waschtrommel-Format – ebenfalls dreiteilig konstruiert und extra für dieses Gefährt gebaut. Und genau wie ihr frontaler Kumpel aufwendig beschichtet. Anthrazit-Nickel nennt sich der galvanische Auftrag, der eine ganze Generation von Chemikern in den Irrsinn trieb, bevor er dauerhaft auf die Brocken gebracht werden konnte. Auch der Auspuff steckt in einem besonderen Kleid. Er ist keineswegs schnöde Weiß lackiert, sondern im Plasmaverfahren beschichtet worden. Das hält nicht nur dauerhaft und unbeeindruckt Temperaturen von bis zu 1.200 Grad aus, sondern eliminiert auch gleichzeitig die Verbrennungsgefahr beim unbedachten Angrabbeln. Selbst nach längeren Autobahnetappen werden die Rohre außen gerade einmal handwarm, was nicht an einem potentiellen Herz-Lungen-Leiden des Motors liegt, sondern an den besonderen Wärmeleiteigenschaften des Überzugs.

Kommt Zeit, kommt Rad

Ein Jahr baute Markus an der Yamaha herum und investierte etwa 600 Stunden Arbeitszeit, wobei ein nicht unbeträchtlicher Teil auf das mehrmalige Bauen von einzelnen Komponenten entfiel. Was ihm abends noch zusagte, sah am Morgen danach gerne mal ganz schön scheiße aus. Kennt jeder, der im Suff schon mal ´ne Grenzwert-Schnecke im Zappelschuppen abgeschleppt hat und am Morgen danach die verherrlichende Wirkung des vorabendlichen Brausebrands misste. Alkohol spielte in Markus Fall jedoch eine untergeordnete Rolle, was aber nicht heißt, dass sich nicht ein gewisses, wenn auch anders gelagertes, Suchtverhalten während der Bauphase einstellte. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der Bauherr bereits über das nächste Projekt nachdenkt und plant noch einmal eine kräftige Schippe nachzulegen. "Gut so" kann man da nur sagen, denn auch wenn wir keinen zweiten Gouverneur aus der Steiermark in den USA brauchen, einen weiteren freigeistigen Straßenfeger aus der Region schauen wir uns gerne an.


TECHNISCHE DATEN
Marke/Modell/Bj.: Yamaha FZR 1000 Exup 1991
Motor: Yamaha FZR 1000
Wasserkühler: Aprilia
Vergaser: Original FZR 1000
Luftfilter: Eigenbau
Krümmer/Auspuff: Eigenbau
Rahmen: Original FZR 1000 modifiziert
Heckrahmen: Sonderanfertigung SMC
Schwinge: Eigenbau
Federbein/Umlenkung: Wilbers, Eigenbau
Gabel: Ducati modifiziert
Gabelbrücken: Eigenbau
Räder: Eigenbau
vorn: 3.00 x 21
hinten: 13.50 x 18
Bereifung:
vorn: 120/70/21 Avon Cobra
hinten: 360/30/18 Vee Rubber „The Monster“
Lenker/Riser: Eigenbau
Bremsen: Brembo
Fußrastenanlage: Gilles FZR 1000
Tank: Original FZR1000 modifiziert
Verkleidung/Maske/Scheinwerfer: Eigenbau
Höcker/Sitzbank: Eigenbau
Lufthutzen: Eigenbau
Seitendeckel: Eigenbau
Kotflügel: Eigenbau
Armaturen/Schalter/E-BOX: Brembo & Eigenbau
Instrumente/Anzeigen: MMB


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