Der Tanker

So ein Tank ist grundsätzlich eine feine Sache. Man kann astrein Sprit reinmachen, ihn prima lackieren, und als Bindeglied zwischen Lenkkopf und Sitzbank macht er auch eine gute Figur. So ein Tank kann aber auch schnell Quelle und Ursprung für ungeahnte Aggressionen, cholerische Wutausbrüche und strafrechtlich bedenkliche Gedankengänge sein. Michael kennt da was von und war kurz davor sich "Ich töte für Tanks" groß auf den Rücken tätowieren zu lassen.

Triebstoff

Dabei hatte Michis Spritbehälter noch nicht einmal rumgezickt oder durch üble Passform auf sich aufmerksam gemacht, sondern startete seine unpflegliche Karriere durch bloße Abwesenheit. Im Falle eines Großserienmopeds leicht mit einem kleinen dreistelligen Betrag zu korrigieren, sieht die Sache bei einem Sonderfahrwerk anglophiler Herkunft schon anders aus. Ursprünglich hatte Michael zu Beginn der Geschichte ja einen Tank. Um diesen herum spannte sich sogar ein komplettes, bestens funktionierendes Motorrad vom Typus Yamaha R1, das dazu noch super lief. Die Welt hätte so schön sein können, wenn nicht Michaels komplett mit Unvernunft kontaminierter Bruder eines Tages mit einem spontan erworbenen Alugeflecht auf den Hof gekommen wäre. "Hier hast Du, bau' was draus!", waren die kargen Worte zum anspruchsvollen Unterfangen. Genauso gut hätte er auch eine Handvoll Kabel auf die Werkbank pfeffern können mit dem lapidaren Auftrag, daraus einen Fluxkompensator zu löten.

Leicht gesagt

Mit der unerträglichen Leichtigkeit des Seins sowie zwei handwerklich überaus begabten Händen ausgestattet, zuckte Michael jedoch keine Sekunde, sondern nahm das Spondon-Fahrwerk mit einem quittierenden "Okay, mach ich" entgegen. Reden ist Silber, Schrauben ist Gold. Dummerweise gebrach es dem Basismaterial jedoch an eingangs angesprochenem Spritbehälter. Der Vorbesitzer hatte ihn auf Grund einer kleinen Beule dem Altmetall übergeben und wurde dafür hoffentlich mit Sackhaarausfall, Zahnfleischbluten und zehn Wochen wässrigem Spritz-Durchfall bestraft. Vermutlich der Typus Mensch, der auch PKWs wegen vollen Aschenbechern aussortiert. O tempora, o mores!

Schwarzmaler

Während Michael begann, die R1 komplett zu zerlegen, gab er schon mal die Herstellung eines alternativen Leichtmetall-Tanks in Auftrag. Das Rohrfahrwerk unterzog er währenddessen einer ausführlichen Schwarzarbeit - zumindest in farblicher Hinsicht. "Schon aus Prinzip, weil alle anderen ihren Rahmen polieren", musste der metallische Glanz einem Überzug weichen, der dunkler ist als der Blick ins Arschloch eines nachtaktiven Schwarzbären während einer Mondfinsternis - mit innen verspiegelter Sonnenbrille auf der Nase. Neben der individualisierenden Komponente sprach auch der insgesamt deutlich dezentere Auftritt für diese gestalterische Gangart. Ohne die blinkenden Aluschlangen ist die Spondon nicht mehr so offensichtlich als solche erkennbar und verströmt ein angenehm riechendes Understatement.

Nudelsieb

Nach der ungemein kurzen (zumindest wenn man überlegt, wie lange der Halleysche Komet für einen Zyklus braucht) Wartezeit von einem Jahr war dann doch "schon" der bestellte Tank da. "Was lange währt, wird endlich gut", ist zwar ein netter Gedanke, in diesem Fall trifft "lang vermisst, schnell gefüllt und dolle pißt" die Sache eher. Das Formteil zeigte sich löchriger als das Nudelsieb von Anatolis Pasta-Puff und konnte den teuren Lebenssaft ebenso wenig bei sich behalten wie die Kandidatinnen von Germanys next Flop-Model ihr Mittagessen. Nur, dass Michael dem Tank dafür nicht mal den Finger in den Hals stecken musste. Die leichtmetallische Drecksau verteilet das gute Super Plus einfach so unbeauftragt über Rahmen und Motor. Also wieder runter mit dem Teil und zurück damit zum Nacharbeiten.

Amok-Gelüste

Mittlerweile hatte Michael die widerspenstige Gabel unter Mithilfe von BKG in den Lenkkopf bekommen und sich der Peripherie des Motors gewidmet. Der Luftfilterkasten wollte in seiner ursprünglichen Form nicht mitspielen und musste entsprechend geändert werden. Nicht ganz unproblematisch zeigte sich auch die Elektronik, da alleine der Umbau auf einen Zubehörtacho die Wegfahrsperre stinkig machte und diese sich vehement dem Fahrdrang des Eigners entgegen stellte. Nach ein paar tiefgreifenden Änderungen war auch die Nummer abgefrühstückt, und der Bau ging in die finale Phase. Das war nach inzwischen fast drei Jahren auch bitter nötig, denn Michael stand kurz davor in psychologische Behandlung überantwortet zu werden. Als Vollblutkradler machte ihn die abstinente Zeit mächtig zu schaffen und überschritt langsam den Grad, ab welchem man bereit ist Geiseln zu nehmen.

Final Countdown

Nach einer ganzen Reihe von Anläufen und Ausläufen sollte nun alles gut sein. Der Tank war nachgearbeitet und versiegelt, der Termin zur TÜV-Abnahme in greifbarer Nähe und der Sommer klopfte erneut an die Garagentür. Blöderweise war das dem Spritfass aber scheißegal und es zeigte sich auch nach drei Jahren nicht wirklich kooperativ. Michael hatte inzwischen die Schnauze gestrichen voll und sich einen neuen Behälter geordert. Sollte demnächst etwas von "Tankerunglücken" in der Bild zu lesen sein, so wird sich hinter der Schlagzeile wohl Michaels Reaktion auf das nächste Debakel verstecken. Kann man nur hoffen, dass er dann keinen Zugang zu scharfen Waffen hat. Amokläufe sind schon aus weit geringeren Anlässen erwachsen.


TECHNISCHE DATEN

Marke/Modell/Bj.: Spondon R1, BJ 2006

Erbauer: Michael

Motor: Yamaha R1 RN 12

Luftfilter: Serie modifiziert

Krümmer/Auspuff: Krümmer Serie geändert und Auspuff Eigenbau

Rahmen: Spondon

Heckrahmen: Eigenbau

Schwinge: Spondon

Federbein/Umlenkung: Federbein Wilbers, Umlenkung Serie

Gabel: Serie mit Gabelcover

Gabelbrücken: BKG

Räder: Braking
vorn: 3,5 x 17
hinten: 6.00 x 17

Bereifung: Michelin Pilot Power
vorn: 120/70ZR17
hinten: 190/50ZR17


Lenker/Riser: Lenker ABM

Bremsen: Serie mit Stahlflex schwarz ummantelt

Fußrastenanlage: Gilles

Tank: Eigenbau aus Aluminium

Scheinwerfer: Zubehör

Höcker/Sitzbank: Höcker MGM HE999, Sitzbank Eigenbau

Kotflügel: MGM für R1

Instrumente/Anzeigen: Acewell mit Wegfahrsperre

Lackierung: Rahmen schwarz seidenmatt und Lacksatz schwarz glänzend mit Spondon-Schriftzug

Sonstiges: Rizoma-Griffe, Kellermann-Blinker, Rizoma-Kennzeichenhalter und Lenkerendenspiegel


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