Nachbarschaftskunde

Ein weit verbreiteter Irrglaube besagt, dass 667 die Zahl vom Nachbarn des Leibhaftigen wäre. Wer sich aber mit der Hausnummernvergabe auskennt, dem muss der Fauxpas dieser Fehlannahme sofort ins Auge springen. Denn das angrenzende Grundstück neben dem Domizil des Gehörnten kann nur die Nummer 668 tragen, die 667 liegt nämlich auf der anderen Straßenseite.

Wissen ist Macht

Thomas gehört zu der kleinen Schar der aufmerksamen Menschen, denen der Kalkulationsfehler nicht verborgen blieb und erkor sein diesbezügliches unnötiges Fachwissen sogleich zum Thema eines neuen Bike-Aufbaus. Dass der Wahl-Leipziger zu den sympathischen Freigeistern zählt, die unverblümt, frei von Schubladen- und Normendenken an eine Sache heran gehen, zeigte sich schon bei der Auswahl des Basisgerätes. Suzukis 750er AE Modell - klassischer Rohrrahmen mit durchaus sportivem Herz aus der öligen Gixxer-Dynastie - ist von Haus aus schon so etwas wie ein fahrender Zwiespalt, im positiven Sinne.

Erbkrankheit

UMTS sei Dank, stieß Thomas während einer LKW-Fahrt, unausgelastet auf dem Beifahrersitz lungernd, in einem Online-Auktionshaus auf ein zeitnah auslaufendes Gerät, das es aus den unglücklichen Händen seines unter extremer Geschmacksverirrung leidenden Vorbesitzers zu befreien galt. Hässlich wie Saurons runzeliger Arsch und mit einer zum Auswurf von Lebensmitteln anregenden Geisterbahnmaske unverdient verunstaltet, wartete das Opfer auf gnädige Hände. Typischer Kettenkarussell-Unfall eines Menschen, dessen Ungeschick nur noch durch seine Ästhetik-Allergie getoppt wurde. Vielleicht war der Mann aber auch einfach nur blind?!

Selfmade

Für kleines Bares konnte das augenkrebsfördernde Gezuppel erlöst und bereits am darauf folgenden Tag des Häschers Fängen entrissen werden. Vor seinem visionären Auge sah Thomas das Ergebnis bereits vor sich und so leitete er denn auch stehenden Fußes die Metamorphose der 750er ein. Wie auch bei seinen anderen Aufbauten lautete die Devise wieder einmal: So viel als nur möglich selber machen bei gleichzeitig sparsamen Umgang mit Material und Anbauteilen. Eine rollende Schaufensterauslage kam als Ergebnis nicht in die Tüte. So verwundert es auch wenig, dass die meiste Zeit damit verbracht wurde Sachen zu entfernen, zu verkleinern, oder zu reduzieren statt unkontrolliert zu shoppen wie eine schuhsüchtige Frau auf Koks im Sommerschlussverkauf bei Deichmann.

Bob der Baumeister

Einzig die Spritblase blieb von Eingriffen verschont, was angesichts der sehr hübschen Form des Behältnisses auch die richtige Entscheidung war. Hinter dem Bottich sorgt ein Shorty-Heck dafür, dass der Fahrer nicht stehen muss. Knapp jenseits der Federbeinaufnahmen, die Thomas ganz gezielt im Stereo-Trimm beließ, endet die gepolsterte Angelegenheit auch schon wieder - noch deutlich vor Hinterradachsniveau. Unterhalb des Möbels herrscht gähnende Leere. Der Luftfilterkasten ist kunststoffhaltige Geschichte, der Heckrahmen entfernt. Vier offene Luftfilter aus dem Rollerzubehör reinigen die Luft. Der verbaute Dynojet-Kit kompensiert die geänderten Druckverhältnisse und gibt den Gäulen die Peitsche. Auf dem Rollenprüfstand frisch abgestimmt, stemmen sich vermessene 99 Pferde gegen den Asphalt - am Rad wohlgemerkt.

Auf die Rolle genommen

Nicht nur die offenen Glasfabriken machten den Gang auf den Prüfstand notwendig, auch die im Volumen sehr spartanischen Laser-Geschütze auf den modifizierten Krümmern schrien gierig nach einem maßgeschneiderten Setup. Die Plagegeister bekamen ihren Willen und Thomas ein sauber abgestimmtes Moped. Darüber hinaus blieb das Triebwerk weitestgehend unangetastet, was durchaus System hat, denn die Fuhre sollte nicht verschleißfreudig auf dem letzten Loch pfeifen, sondern im Alltagsbetrieb langfristig problemlos werkeln.

Zu den Waffen

Kernstück der frontalen Attacke war der sorgsam selektierte Scheinwerfer einer V-Rod. Grundsätzlich inzwischen zwar alles andere als ein seltener Gabelaufsatz, doch nur in den wenigsten Fällen wie am amerikanischen Spenderkrad verbaut. Und genau diese Montageversion wollte Thomas unbedingt umsetzen und sie wurde dabei ganz nebenbei zum Ausdruck seiner kompromisslosen Zielstrebigkeit, denn um die Nummer realisieren zu können, mussten sich sogar die CNC-Gabelbrücken dem Wunsch des Erbauers und dem Halter beugen. Ihr Layout entstand quasi um den oben angeschraubten Träger der Funzel herum. Mit je vier Schrauben pro Holm-Klemmung und üppig in den Ausmaßen, bereit mit den ersonnenen Coverrohren zu harmonieren, eine sehr geschmeidige Angelegenheit. Im Kern des Leckerbissens werkelt nach wie vor die originale AE-Telegabel und kein USD-Gerät - wie man angesichts der üppigen Rundungen irrtümlich vermuten könnte. Eine LSL-Dragbar adelt den cleanen Lenkkopfbereich und verbindet ihn mit den Extremitäten des Fahrers.

Lack mich!

Nachdem die technische Suppe gelöffelt war, musste noch der Farbauftrag bestimmt werden, was zuweilen recht heikel sein kann. Das falsche Design am richtigen Motorrad kann leicht das komplette Konzept ruinieren. Doch Thomas ging den eingeschlagenen Weg souverän und konsequent zu Ende und ließ sich nicht fehlleiten. Ein paar dezente Poliereinlagen funkeln im Kontrast zum professionell aufgetragenen Matt-Schwarz. Lässige, zuweilen bierernste Applikationen brechen die Flächen auf zeugen unter anderem von Thomas städteplanerischen Kenntnissen. Der Junge kennt sich eben nicht nur mit Motorrädern, sondern auch mit Hausnummern aus, was beim Kradbuilding durchaus nützlich sein kann, wie das AE-Projekt nachhaltig beweist.


TECHNISCHE DATEN

Marke/Modell/Bj.: Suzuki / GSX 750AE / Bj. 1998

Erbauer: Thomas Gerwin

Motor: 750ccm

Ölkühler: GSF 1200

Vergaser: Mikuni mit Dynojet-Kit

Luftfilter: 4 Einzelfilter

Krümmer/Auspuff: Serie modifiziert mit Laser X-trem 4in1in2

Rahmen: Serie, gecleant

Heckrahmen: komplett entfernt, Heck, bzw. Heckkonsole sitzt direkt auf dem Rahmendreieck

Schwinge: Serie, schwarz gepulvert

Federbein/Umlenkung: Serie, schwarz gepulvert

Gabel: Serientelegabel mit Eigenbaucovern oben u. unten, schwarz gepulvert

Gabelbrücken: CNC gefräste Brücken, schwarz gepulvert

Räder: Serie (poliert und lackiert)

Bereifung: Continental
vorn: 120/70ZR17
hinten: 180/55ZR17

Lenker/Riser: LSL Dragbar, CNC-Riser

Fußrastenanlage: Serie, Schwarz gepulvert

Scheinwerfer: HD VRod

Höcker/Sitzbank: Shorty (modifiziert)

Kotflügel: VS 1400 Intruder, modifiziert

Kühlerblende: Zubehör, schwarz gepulvert

Bugspoiler: aus Grabbelkiste

Instrumente/Anzeigen: Motoscope mini, in die Gabelbücke eingelassen

Lackierung: Mattschwarz vom Lacker

Sonstiges: Elektrik komplett unter der Sitzfläche, Batterie im Höcker

Danke an: "SCWD" für die GFK Arbeiten am Heck, Brandy für Rat und Tat bei der Elektrik, Maggus, der mir die Beschriftungen so erstellt hat wie sie jetzt sind und an die Schwiegereltern, die ihr Auto über Wochen heftigstem Monsunregen (wie´s Wetter in D nun mal ist) ausgesetzt haben damit ich die 668 in ihrer Garage fertig bauen konnte.


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