Kommander Kean

Nachdem Kean bereits im zweiten Jahr seiner noch jungen Mopedkarriere ungewollt abchecken musste, ob seine ZX-6R stabiler als guter deutscher Asphalt ist - mit erwartungsgemäß eher ungünstigem Ausgang für die 600er -, schickte er sich an, nach Ersatzware Ausschau zu halten.

Motivation für die Marktsondierung war jedoch weniger die Fortsetzung seiner unfreiwilligen Testreihe, als viel mehr die Rückkehr zum ursprünglichen Einsatzzweck des Mopetenwesens: dem Fahren. Und so leicht sich auch die Suche nach amtlichem Nachfolgegestühl abwickeln lies, an deren Ende sich eine originale Zehner auf der heimischen Einfahrt räkelte, so scheiße gestaltete sich die Fahrerei mit dem Fließband-Bückstück.

Ich hab Bein

Das lag weniger daran, dass mit dem Hocker etwas nicht gestimmt hätte, als viel mehr an den Folgeschäden aus besagtem Unfall, die Kean akute Beinprobleme beim Zusammenfalten auf der Zehner bereiteten. Da eine mögliche Amputation der extravaganten Extremität sich als Lösungsansatz nicht so recht durchsetzen konnte, musste also mopedseitig etwas passieren. Und so schloss Kean mit dem Kapitel ZX-10R bereits nach wenigen Tagen wieder ab und machte sich auf die Suche nach einer Buell, deren sanft massierende Vibrationen in Tateinheit mit einer kommoden Sitzposition und gediegener Leistung genau das richtige für einen Frühversehrten zu sein schienen.

Zu kalt für alt

Zumindest für den Bruchteil eines irregeleiteten Augenblicks. Gott sei Dank trat zu diesem Zeitpunkt nämlich eine beratende Instanz auf den Plan und eröffnete Kean die Alternative der Tugendverschmelzung. Also die ungestüme Haue der Kawa mit dem komfortablen Körper-Arrangement eines Nackttierchens zu kreuzen. Nach kurzem Probesitzen auf einem Exemplar der mutierten Gattung Fightzilla zündete es gewaltig in Keans Oberstübchen, was sich in einem spontanen Bestellgewitter garstiger GFK-Ware entlud.

Gegengeschäfte

Die Originalbrocken versilberte Kean, um die Kontoschmerzen zu lindern, schloss sich alsdann mit den Resten in seiner Werkstatt ein und machte sich ans Werk den Ofen nach seinen frisch gewonnenen Fantasien umzugestalten. Und obwohl es der erste Umbau für den jungen Triebtäter war, ging er von vorne herein zielgerichtet, als auch planvoll wie ein alter Hase vor. So schnitzte er alle Halter, Träger und Hilfsrahmen in einem ersten Durchgang erst einmal aus billigem und leicht zu bearbeiteten Baustahl und dokterte so lange an den Brocken herum, bis sich mit seinen ehrgeizigen Ansprüchen in Einklang befanden und machte sich erst dann daran, die finalen Einheiten aus Alu oder Edelstahl zu fertigen.

Der Fux

Nicht weniger fuchsig ging unser Schlemihl an die Anpassungen der GFK-Ware heran. Der Begriff "Universal" ist gerade im Zusammenhang mit Höckern schnell mal leicht irreführend und weniger als "überall passend", denn als "nirgends passend" zu verstehen, erfordert also fast immer massives Eingreifen seitens des ausführenden Mechanikers. Und das war in diesem Fall eben Kean. Zum Tank hin passte der erstandene Höcker weniger als ein T-Shirt in Größe M zu den Wildecker Herzbuben. Und statt sich in drei Ebenen einen haarigen Wolf zu laminieren, besorgte sich Kean einfach zusätzlich eine kostengünstige Racing-Version des originalen Schemels.

Zwei in eins

Die passte wunderbar an den Tank und konnte auch mit dessen eher rundlicher Formensprache umgehen. Und so beschnitt Kean den Racing-Stuhl kurz hinter der Sitzfläche, tat es dem Extremebikes-Höcker gleich und laminierte beide Fragmente dann an den Amputationsnarben zusammen. Das ersparte eine Menge Modelliererei und vereinfachte die Verschmelzung der sehr kantigen Heckformen mit den fließenden des Vorderbaus. Trotzdem kommentiert Kean diesen Arbeitsschritt rückblickend mit einem eindringlichen "nie wieder!". Besonderen Einfluss auf diese Bewertung hatten insbesondere die gefühlten zehn Kubikmeter Schleifstaub, die sich nicht nur bis in den letzten Winkel der Werkstatt verteilten, sondern auch in Körperöffnungen eindrangen, von denen unser Protagonist nicht einmal ahnte dass es sie überhaupt gibt. Alleine die Hochzeit der beiden Heckfragmente hat gute zwei Wochen Intensivarbeit verschlungen, was angesichts der Rekordzeit für die gesamte Aktion von gerade einmal derer sechs zeigt, wie intensiv sich diese Phase gestaltete. Dagegen war selbst der Kriegsschauplatz Elektrik eher harmloser Natur. Mit Werkstatthandbuch, Schaltplan und den Fähigkeiten eines praktizierenden Industriemeisters ausgestattet, griff Kean den Litzen unter die Isolierung. Dabei wollte nicht nur das Motogadget-Zentralorgan Anschluss finden, sondern auch der Hauptelektrodenstrom nach dem Wegfall der sichtschützenden Verschalung auf neue Pfade gebracht werden. Blinker und Beleuchtung waren dagegen leicht zu nehmende Hürden. Redselig

Damit die Kawa am Ende nicht als überteurer Küchenhocker enden musste, stand Kean in ständigem Kontakt zu einem kooperativen TÜV-Prüfer, der die einzelnen Schritte observierte und auf Legalisierbarkeit hin beurteilte. Dass es zum Ende hin doch noch einmal spannend wurde, lag nicht an einer spontan auf den Plan getretenen technischen Hürde, als vielmehr an dem Intensiv-Verfahren des Umbaus selber. Diverse unersetzliche Originalschrauben und Bolzen hatten im Getümmel die Flucht aus dem Sichtfeld angetreten und mussten in zeitraubenden Suchaktionen wieder lokalisiert werden. Hatte ein bisschen was von der Suche nach amerikanischen Kriegsgefangenen in Vietnam, war teilweise auch genauso blutig wie zeitaufwendig und scheinbar aussichtslos. Kean dachte auch schon über eine unterstützende Brandrodung besonders heikler Garagenabschnitte mittels Napalm nach, fand dann aber doch noch rechtzeitig ohne Intervention die vermissten Vigilanten.

Womit mal wieder bewiesen wäre, dass man sich nicht widerstandslos den von der Industrie verordneten Bückhaltungen beugen muss. Man muss sich nur zu wehren wissen, dann kann auch auf verzweifelte Kompromissanschaffungen verzichtet werden.


TECHNISCHE DATEN

Marke/Modell/Bj.: Kawasaki / Zx10r / Bj. 2008

Erbauer: Kean Kardanski

Kühlflüssigkeitsbehälter: CNC-Behälter von MGM-Bikes

Luftfilter: K&N

Krümmer/Auspuff: Krümmer mit Thermoband / Ixil Hyperlow (Schwarz Lackiert)

Heckrahmen: Edelstahlrahmen mit Carbon-Blenden

Gabelbrücken: Spiegler (Schwarz Lackiert)

Lenker/Riser: ProTaper EVO

Hebel: Pazzo - Hebel Kurz (Schwarz)

Griffe: Rizoma Lux

Spiegel: HIGHSIDER Lenkerendenspiegel "Victory"

Bereifung: Pirelli Diablo Rosso II

Bremsflüssigkeitsbehälter: Rizoma vorn, MGM-Bikes hinten

Bremsleitungen: Spiegler in Weiß

Fußrastenanlage: Gilles Schwarz Eloxiert

Höcker/Sitzbank: Eigenbau auf Bandero-Basis von Extremebikes

Kotflügel: Street-Machines KOM.A-TG

Instrumente/Anzeigen: Motogadget "motoscope pro"

Maske: IMPERATOR von Gemo-Fighters

Blinker: Motogadget m-blaze vorn, Kellermann hinten

Rücklicht: Kellermann

Lackierung: Schwarz / Weiß


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