Der Jensenmann - Kill´em all

Jens ist ein Mann knüppelharter Prinzipien. Wenn er einmal eine Entscheidung getroffen hat, dann kann man ihn weder mit Geiselnahmen, Waffengewalt, noch Attentatsandrohungen in Richtung Genitalbereich von seinem Weg abbringen. Und so hat er auch sein Vorhaben, eine komplett originale Knicker auf die Beine zu stellen und diese artgerecht schonend als Neo-Klassiker zu behandeln, konsequent und unerbittlich durchgezogen.

Gut, der Wahrheitsgehalt der Einleitung ist nur geringfügig höher als der einer typischen Pressemitteilung von Christian Wulff. Das liegt aber weniger daran, dass Jens labil geworden wäre oder vorgehabt hätte sich als Bundespräsident zu verdingen, sondern vielmehr an der Tatsache, dass in seiner Stammhirn-Rinde ein fieser Parasit nistet, der jedweden Anflug von Vernunft im Keim erstickt. Aktiv wird der Bazillus vor allem, wenn Zweiräder im Spiel sind. Kuren und Heilungsversuche schlugen bis dato allesamt fehl und der behandelnde Arzt vermerkte unlängst untherapierbar auf der Krankenakte des Patienten.

Teile-Splatter

Dabei standen die Vorzeichen dieses Mal gar nicht so schlecht. Nachdem Jens bisheriger Hobel mehr leiden musste als Costa Cordalis im RTL-Jungelcamp, fing die vierzylindrige Mimose langsam das Zicken an und drückte ihren Unmut durch latente Arbeitsverweigerung aus. Was also lag näher, als sich einen zweiten Ofen zu bauen, der, stets pfleglich behandelt und im unangetasteten Originalzustand, dem Begriff Zuverlässigkeit neue Bedeutung einhauchen würde? Für schmales Bares wurde denn auch alsbald eine zerlegte Knicker, verteilt auf diverse Umzugskartons, aufgetan und nach Hause getragen, wo die Restaurierung ihren Lauf nehmen sollte.

Keine Ausnahme ohne Regel

Bevor das Rolling Chassis auf eigenen Beinen stehen konnte, gab es jedoch schon die erste kleine Abweichung vom ursprünglichen Plan. Ein unvorsichtig im Regal deponierter TL-1000 Radsatz machte auf sich aufmerksam und gab nicht eher Ruhe, bis er in die Aufbaupläne mit einbezogen war. Blöderweise passte die vordere Felge aber ebenso wenig in die Gabel wie Mola Adebisi in die Ku-Klux-Klan Jahreshauptversammlung. Um die Abweichung von der Serienoptik durch die notwendigen Folgeeingriffe so gering wie möglich zu halten, entschloss sich unser ehrgeiziger Schrauber auf die sonst übliche USD-Gabel zu verzichten und stattdessen auf ein konventionelles Pferd zu setzen. Eine Speed-Triple Forke empfahl sich als gute Wahl, sowohl in optischer, als auch technischer Hinsicht, denn die Teleskopeinheit zählt wohl zu den besten, die es unter den nach orthodoxem Strickmuster arbeitenden gibt.

Der Segen der Serie

Der Rest der Brocken wanderte dann tatsächlich so an den Hocken, wie er Mitte der Achtziger bei Suzuki vom Band lief. Selbst die Lackierung entsprach dem Auslieferungszustand. Jens hatte es geschafft. Obwohl ihn seine versammelten Kumpels abwechselnd verspottet, ausgelacht und mit Zwangseinweisung bedroht hatten, blieb er der anvisierten Linie treu und zog sie unerbittlich durch. Zumindest bis zur ersten Probefahrt. Die Sonne lachte, der Lack glänzte aber Jens war deprimiert. Der brave Eimer passte so gar nicht zu seinem ungestümen Reiter und hatte auf diesen in etwa die stimulierende Wirkung einer Aufbauanleitung für Ikea-Keller-Regale. Und die Nummer mit dem schonenden Umgang war nach einer Blitz-Behandlung mit Eigen-Adrenalin, diversen Brennplattenbesuchen, sowie reichlich Straßen-Faxen auch schneller Geschichte als die Jungfräulichkeit von Salma Hayek beim Nacktbesuch im Strafgefangenenlager der nekropädophilen Einzelhäftlinge in Sing-Sing, Abteilung Sadomaso-Sodomie.

Motorik

Spätestens an dieser Stelle brach das Krankheitsbild vollends auf. Jens packte Prospekte und Kompromisse bei Seite und holte stattdessen die Flex aus dem Schrank. Die ganz große. Als erstes dran glauben musste der Heckrahmen. Im Bruchteil eines Augenblicks großzügig amputiert förderte das Teil, genau wie jedes ihm folgende, die Stimmung des Protagonisten und erleichterte sowohl dessen Gemüt, als auch das Lebendgewicht der Knicker. Der Motor war inzwischen so leistungsinkontinent, als hätte er eine Familienpackung Granufink Pipifax geschluckt und schrie nach umfassender Überholung  in allen bekannten Sprachen dieses Planeten.

Parallelwelten

Während Jens sich anschickte, die Mopete optisch und fahrwerkstechnisch auf Vordermann zu bringen, flog der Baustelle ein Ersatzmotor zu, welcher sich nach dem Öffnen und genauerer Betrachtung als verkappte Drehbank heraus stellte. Zumindest ließ die mit Spänen gefüllte Ölwanne diesen Schluss zu und eliminierte damit sämtliche Hoffnungen auf einen einfachen Triebwerkswechsel. Da ein Benagelter aber selten allein kommt, fanden sich im näheren Umfeld flugs weitere latent wahnsinnige Personen, die bei der Rehabilitierung des Hubkolbers halfen. Wissend um den Geisteszustand von Jens, ging es beim Aufbau des Trieblings nicht darum, das letzte Pferdchen zu erwecken, sondern die vorhandenen Gäule widerstandfähig und robust zu machen. Ein leichtes Leben würde sie nämlich nicht erwarten.

Vollwertkost

Soviel Jens auch abbaute, so wenig kam wieder ans Krad. Die minimalistische Abgaskloake z.B. leistet den Verbrennungsrückständen nur wenig Widerstand, was sowohl dem frühen Baujahr, als auch einer gesunden mir-doch-egal Mentalität des Eigners in Sachen StVO geschuldet ist  was auch die Abwesenheit eines Tachos erklärt. Ähnlich asketisch gestaltet sich der Heckrahmen, auf welchem eine modifizierte Honda-Sitzbankabdeckung nun ihren Dienst als Höcker versieht. Zusammen mit den beiden Bates-Scheinwerfern, die man in der vorliegenden Konfiguration sonst nur von Triumphs Trippeln kennt, ergibt das ein extrem eigenständiges Antlitz.

Sold out

Gekauftes Zubehör ist an der Mopete seltener als Menschen mit einem IQ jenseits der Zimmertemperatur in den Vorrunden von DSDS Das meiste stammt aus der heimischen Grabbelkiste oder wurde handgefertigt, wobei Jens bei der Umsetzung bewusst darauf achtete, dass man das auch sehen kann. Es wäre ja auch kein Schwein auf die Idee gekommen, Mike Tyson während seiner aktiven Zeit in einen rosa Rock zu stecken und ihm Liedschatten und Lippenstift aufzusetzen. Gut, die Geschichte mit der unangetasteten Originalität ist irgendwie auf der Strecke geblieben. Das kann man aber leicht mit zwei Worten aus dem englischen Sprachraum kommentieren: Who cares?


TECHNISCHE DATEN

präsentiert von:

Marke/Modell/Bj.: Suzuki GSX-R1100 Bj.87

Besitzer: Jens B.

Erbauer: Jens von B

Ölkühler: Simek

Vergaser: Serie

Luftfilter: K&N Einzelluftfilter

Krümmer/Auspuff: Krümmer Serie mit modifiziertem MZ Schalldämpfer und Schlagring ABE

Rahmen: Serie

Heckrahmen: Eigenbau

Schwinge: Serie

Federbein/Umlenkung: Wilbers

Gabel: Triumph Speed-Triple

Gabelbrücken: Speed-Triple

Räder: TL1000

vorn: 3,5x17
hinten: 6x17

Bereifung:

vorn: 120/70 ZR17
hinten: 190/55 ZR17

Lenker/Riser: Triumph Stummelschellen mit modifizierter Alu-Streetbar

Bremsen:

vorn: Speed Triple

hinten: GSX-R

Fußrastenanlage: Serie modifiziert

Tank: Serie

Scheinwerfer: 5 ¾ Bates-Doppel, Scheinwerferkappen

Höcker/Sitzbank: Eigenbau aus Honda Sitzbankabdeckung

Kotflügel: SpeedTriple

Armaturen/Schalter/E-BOX: Kupplungspumpe FZR 1000 Bremspumpe aus Grabbelkiste

Instrumente/Anzeigen: nur Drehzahlmesser

Lackierung: Minus-Zwei-Grad Scheunenlackierung aus der Dose

Danke an: Steffen, SFT99, die S-burger, den Nachbarn, Maczka-ÖL(Rohrbiegerei), Nickel (Elektrik) ,dem öligen Uwe (Motor) und der Braugold-Brauerei


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