InZucht

Drei Generationen treiben's wild im Z-Rahmen

Als sich sein Cousin mitsamt Freundeskollektiv eine originale, aber komplett verranzte Z1000 kaufte, ahnte Alex noch nicht, an welch schicksalhaftem Ereignis er gerade teilnahm. Und auch die frisch gebackenen Besitzer hatten noch keine Ahnung, was sie sich da an den Hals geholt hatten - mit der Zett, nicht mit Alex.

Das vermeintliche Schnäppchen demaskierte sich bereits bei der ersten Bestandsaufnahme und zeigte auch unterhalb der schäbigen Hülle seine fiese Fratze. Der Motor war bestenfalls noch als Ankergewicht zu gebrauchen. Daneben gab es noch stahlfreien Rost am gesamten Fahrgestell zu bewundern sowie Anbauteile, die ihrem Aussehen nach bereits drei Weltkriege nebst Dauerbeschuß mit angereichertem Grünspan hinter sich hatten. Soviel Bier hat kein Schwein zu Hause, daß man sich die Leiche hätte schön saufen können. Abgesehen von Alex. Der hat offensichtlich nicht nur einen begehbaren Kühlschrank, sondern auch den benötigten Schuß Wahnsinn im Blut, um sich an solch ein komplett irrationales Unterfangen zu wagen. Also schnell bei Warsteiner ein paar Paletten Pils für den heimischen Vorrat geordert und für die restlichen hundertfuffzig Euronen vom Girokonto das Kawasaki-Wrack gekauft. Bleibt ja alles in der Familie.

Plan B

Ursprünglich wollte der Mann mit dem großen Durst das Zettchen wieder im Originalzustand aufbauen, verwarf den Vorsatz aber ebenso schnell wie seine Abstinenzpläne und überlegte sich lieber andere Schweinereien. Während einer Festivität im Freundeskreis (beflügelt durch vergorene Hopfensäfte) verkündete der bis dato passionierte GPz 900R-Fahrer, es wäre doch eine unwahrscheinlich dufte Idee, das wassergekühlte Herz der 900er in den schrottigen Z-Rahmen zu hängen. Nachdem das anfängliche Gelächter verstummte und Alex trotzig an seiner Geisteseingebung fest hielt, erkannten die Anwesenden die Ernsthaftigkeit dieses Ansatzes und wetteten sofort gegen dessen Gelingen. "Den bekommst Du da nie rein!", schallte es beim besiegelnden Handschlag durch die Hütte. Alex trank also aus, ging nach Hause und machte sich umgehend ans Werk.

Generationskonflikt - wenn die Neue nicht mit dem Alten will

Während er sich darum kümmerte, den Vierventiler irgendwie zwischen die Doppelschleife zu stemmen, sammelte er parallel taugliches Material für das Fahrwerk. Neben einem Umbausatz auf Zentralfederbein und Kastenschwinge gesellte sich auch gefälliges Front-Federgut hinzu. Eine UpsideDown-Gabel aus Suzukis wassergekühlter Gixxerreihe hält den Oldie jetzt tapfer auf Spur. Optisch wollte Alex so etwas wie einen Streifzug durch über 30 Jahre Kawasaki-Geschichte kreieren - und sammelte daher aus allen Epochen zeitgenössisches Material. Der Rahmen aus den Siebzigern, der Motor aus dem nachfolgenden Jahrzehnt. Dazu die Schalldämpfer der aktuellen Z1000 und ein Heck aus den Neunzigern. Vier Jahrzehnte in harmonischer Eintracht in einem Krad. Ein fahrender Ü30-Sampler. Zum Glück aber ohne ABBA oder Wolfgang Petry.

Neun-Monats-Kind

Nach nur neun Monaten Bauzeit konnte das Ergebnis dann zum ersten Mal aus der Garage gerollt werden. Damals noch mit komplett polierten Aluteilen bestückt, glänzte die Dicke in der prallen Sonne. Da Alex aber das ganze Jahr hindurch mit dem Krad unterwegs ist und auch vor der verschneiten Jahreszeit keinen Halt macht, sorgte eine Kombination aus Streusalzfraß und Putz-Unlust für ein jähes Ende der spiegelnden Oberflächen. Zudem verbrauchte der Motor nach übermäßigem Burnplatten-Einsatz in den Sommermonaten inzwischen mehr Öl, als die Friteuse einer McDonalds-Filiale, und erinnerte aufgrund seiner mechanischen Soundkulisse an ein frühes Konzert der "Einstützenden Neubauten". Also zerlegte Alex das Moped wieder und begann von Neuem.

Rehabilitation

Was vom Motor noch zu gebrauchen war, kreuzte er mit den Resten eines 1000RX-Triebwerks und bohrte den Bastard dann noch auf 1100 ccm auf. Keihins rollengelagerte Spaßfabriken beatmen die vier Großraumwohnungen über aufgeriebene und polierte Kanäle im stark modifizierten Kopf. Das erzeugt reichlich Durchzug - sowohl an den Ventilen, als auch auf der Strasse. Apropos: Auf Durchzug schalteten auch die meisten Ingenieure, bei denen Alex zwecks Abnahme des Umbaus vorstellig wurde. Eher hätten sie die eigene Tochter an den Leibhaftigen verhökert, als bei der Begutachtung des Fremdkörpers ihre Seele aufs Spiel zu setzen. Für Menschen, die den ganzen Tag lang C-250 Roller oder Viragos mit Lederfransensatteltaschen prüfen, stand da einfach die real gewordene Anarchie auf dem Vorhof. Einige Kittelträger bekreuzigten sich sogar schon beim vorsichtigen Blick aus dem Fenster. Doch nach einigen Castings fand Alex doch den Superprüfer beim TÜV Hanse. Frei von Vorurteilen und mit zwei ausgewachsenen Testikeln in der Hose nahm sich der gute Mann des Kraftrads an und erteilte ihm nach eingehender Prüfung seinen Segen. Was lange fährt, wird endlich gut.

TECHNISCHE DATEN

Modell: Kawasaki Z 1000 (Bj.'77)

Besitzer: Alex

Erbauer: Alex und Mathias

Motor: Mischung aus Kawasaki GPz 900 R und 1000 RX, Wiseco 1100ccm Bigbore-Kit, Kopfbearbeitung mit großen Ein- und Auslässen

Wasserkühler: GSX-R 750 SRAD

Ölkühler: Kawasaki

Vergaser: Keihin FCR

Luftfilter: offene Trichter

Auspuff: Eigenbau (keramikbeschichtet) mit Z1000-Schalldämpfern (neues Modell)

Rahmen: Z1000 (stark modifiziert), Heckrahmen geändert für Zephyr-Bürzel

Schwinge: GSX-R 750 W

Federbein: GSX-R 1100 mit Eigenbau-Umlenkung

Gabel: GSX-R 1100 W

Gabelbrücken: Gimbel

Räder: GSF 1200, vorne 3,5" x 17", hinten 5,5" x 17"

Bereifung: Bridgestone BT 56, vorne 120/70 ZR 17, hinten 180/55 ZR 17

Lenker: LSL Dragbar

Bremsen: vorne ZXR 1200, hinten GSX-R 1100

Fußrastenanlage: Eigenbau

Maske: MuZ Baghira

Höcker: Eigenbau

Kotflügel: Eigenbau

Armaturen: GPz 900 R

Instrumente: Sigma Tacho

Lackierung: Garagenlacke

Sonstiges: Z1000-Tank mit GPz 900 R-Einfüllstutzen, Z900-Seitendeckel, alles pulverbeschichtet

Danke an: Micha, HR-Engeneering, Mathias und Wibke, OTE Pulverbeschichtung, Reinhold vom TÜV Hanse


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