Butter bei die Fische

Was der einzelne Krempel – und noch wichtiger: alles zusammen – taugt, zeigt sich erst, wenn er am Krad zusammen wächst. Um den maximalen Super-Gau zu simulieren, haben wir die Nummer exemplarisch ausgerechnet an unserer Suturbi durchexerziert. Ein Moped, das nicht nur eine komplette elektronische Einspritzanlage mitbringt, sondern darüber hinaus jede Menge Turbo-Zinnober, Sensoren, Instrumente uvm. an Bord hat. Was an diesem Strippen-Pflegefall funktioniert, haut an normalen Mopeten erst Recht und deutlich einfacher hin. Darüber hinaus lässt sich so auch explizit zeigen, wie kompakt man selbst derartige Strom-Monster verkabeln und bestücken kann. Dann mal los.

Los geht’s mit dem Rückbau. Wir schmeißen restlos alles raus. Lichtmaschine und Regler sind bereits ersetzt, jetzt fliegt alles weitere vom Krad. Relais und Sicherungskasten fallen ersatzlos weg



Der Kabel-Dschungel ebenso



Den dicken Litzen-Strängen, fetten Steckern, Adaptern für ECU und Co. Zeigen wir die rote Karte



Erst wenn das Gerümpel niedergestreckt am Boden liegt, kann man sehen wie umfangreich es tatsächlich ist, bzw. war



In die Tonne passt Oscar nicht mehr mit rein. Voll bis zum Rand



Mit diesem Schlingel beginnt alles: Das Anlasser-Relais. Wir haben es direkt neben der Batterie platziert und mit einem dicken Stück Kupfer am Pluspol angeschraubt. Zentralisierte Massen und maximal möglicher Sturmfluss sind die Folge. Das Relais hat zwei abgesicherte Ausgänge. Einen nutzen wir für Verbraucher wie Licht, Tacho, Instrumente etc. Der andere versorgt die motorrelevanten Komponenten wie Benzinpumpe, ECU, Spulen, Düsen, Druck-Kontroller, Lambda-System etc. Der Motor-Kreis wird über ein weiteres Relais (kommen wie gleich noch zu) beschickt, in dessen Steuerkreis der „Killschalter“ sitzt.



Als nächstes ziehen wir die Kabel gemäß Planung. Zur Bündelung nutzen wir Schrumpfschlauch. Als „Durchfädelhilfe“ eignen sich Bowdenzüge hervorragend. Den Zug durchschieben, Kabelenden ankleben, alles zusammen durchziehen



Es macht Sinn, die frisch kanalisierten Kabel zu beschriften, sonst sucht man sich später `nen Wolf



Nach und nach wächst das Wäldchen an. Immer ausreichend überschüssige Länge stehen lassen. Abschnippeln geht immer, Anschnippeln nicht



Im nächsten Schritt werden die Kabel nach und nach angeschlossen



An dieser Stelle kommt unsere erste Schaltbox ins Spiel. Da die Fahnen der Relais ein Anzeichnen der Halterungen vereiteln, müssen wir ein bisschen tricksen, kleben die Haltelaschen mit Sekundenkleber an und ziehen die Relais-Phalanx dann ab. Nun sitzt alles in Position - hält aber natürlich nicht dauerhaft



Muss es aber auch nicht. Es reicht, wenn die Kleberei solange hebt, bis wir die Bohrstellen angezeichnet haben



Sind die Stellen perforiert, schrauben wir die Laschen fest. Mit Nylon-Schrauben, um unbeabsichtigten Masseschluss der Relais zu verhindern



Das Halte-Blech haben wir extra für die Box gezogen. Im Höcker befindet sich an der entsprechenden Stelle ein Schacht, der die Baustelle geschützt vor Wind, Wasser und Meteoriten-Einschlägen aufnimmt. Die vier Relais bilden die abgesicherten Versorgungskreise für Benzinpumpe, ECU/Zündung, Lüfter und Hupe. An normalen Bikes kommt man entsprechend mit ein oder zwei Relais aus



Das Konstrukt zu verKabeln ist deutlich einfacher, wenn man gleichgeschaltete Anschlüsse zusammenfasst anstatt zu jedem Fuß ein extra Kabel zu ziehen. Wir haben uns deshalb ein VerteilerKabel gecrimpt, welches alle Steuerkreis mit Strom versorgt



So geht nur ein einziges Kabel zur Box, welches sich dort aufsplittet



Das gleiche machen wir mit dem Versorgungsstrom, jedoch mit einem dickerem Kabel – logisch. Die Hälfte aller Anschlüsse sind in diesem Moment bereits bestückt – und es gehen dennoch nur zwei Strippen zur Kiste



Hier ist die Box bereits vollständig bestückt. Manche Funktionen werden manuell (Hupe, Zündstrom) geschaltet, andere aktiviert die ECU (Lüfter, Benzinpumpe). Damit ist der gesamte Motorkrempel bereits mit Strom versorgt und abgesichert – dank der Sicherungsautomaten sogar vollautomatisch und selbstrückstellend. Man könnte das Ding also eigentlich auch einmauern. Jeder einzelne Kanal kann über 300 Watt schalten ohne auch nur ansatzweise ins Schwitzen zu kommen



Die Verbraucherschaltungen haben wir im vorderen Bereich installiert. Zum einen befinden sich hier die meisten Abnehmer (Stichwort: kurze Kabel) und zum anderen haben wir so auch den kürzesten Weg zu den Tastern



Zwischendurch gibt es immer wieder Momente zum Abkotzen. Das hier sind lediglich die Kabel der ECU. Nicht gerade ein aufmunternder Anblick. Am Ende aber halb so wild, wenn man einfach eins nach dem anderen abarbeitet. Da muss man halt durch



Der chaotischste aller Momente. Alle Komponenten sind montiert, alle Kabel gezogen – aber noch nicht angeschlossen. Ungekämmte Elo-Frisur. Von hier an geht es erfreulicherweise nur noch bergab, das Schlimmste ist schon lange geschafft. Auch wenn es nicht so aussieht



Feddich. Man muss schon genau hinsehen, um überhaupt Kabel zu finden. Extrem abgespeckt und gecleant zegt sich der neue Kabelbaum – oder eben auch nicht



Damit sind wir aber noch nicht durch. Nach der Pflicht folgt die Kür. Und für die pflanzen wir kleine M6-Pfosten am Rand unserer Elo-Grundplatte





Den Grund dafür: Die Nummer ist zwar ordentlich montiert und platziert, liegt bei abgenommenem Höcker jedoch brach und ungeschützt da. Das ginge nicht lange gut





Was aussieht, wie der Bravo-Starschnitt eines Sternenzerstörers ist tatsächlich eine Coverplatte aus Aluminium



Deren Unterseite haben wir mit Zellkautschuk ausgekleidet. Sie dient als Dach für die frische Elektrik



Im hinteren Bereich ist ein Unterstand für die Relais-Gruppe abgekantet



Mit Flügelmuttern montiert, schützt es die Elektrik vor ungewollten Gewaltakten im Zuge von Schrauber-Aktionen



Um auch bei montiertem Schutzblech die Kontrollleuchte des darunter liegenden Lambda-Kontrollers einsehen zu können, haben wir an deren Position das Blech durchbohrt und die Öffnung mit einer aufwändig gedrehten Makralon-Linse verschlossen. (Tatsächlich ist das nichts weiter als ein Stück Yoghurt-Becher Deckel. Aber pssst, nicht weitersagen)



So können wir die Funktion und Fehlercodes weiterhin checken ohne das Blech abnehmen zu müssen. Was sind wir doch für abgefuckte Füchse!



Sensor-Upgrade. Die von uns verwendeten Drucksensoren sind eigentlich für die Platinenmontage gedacht und entsprechend sensible Kameraden. Um nicht ständig an ihnen rumrupfen zu müssen, haben wir eine Docking-Station mit Schnellanschlüssen für die Leitungen gebaut. Muss mal ein Schlauch ab, bekommt der Sensor das nicht einmal mit. Der Pfosten ist fest mit der Grundplatte verschraubt, die Sensoren also mechanisch vollkommen isoliert. Auch solche Kleinigkeiten gehören zum Kabelbaum-Bau



Damit auch beim späteren Schrauben kein Ungemacht erwachsen kann, haben wir auch hierfür ein Obdach aus Edelstahl geschweißt. Die Politur des Dödels ist eigentlich für den Hintern, denn das Teil sieht man nur wenn der Höcker ab ist. Die Anschlüsse sind beschriftet



Ebenfalls eine schrauberisch förderliche Institution: ein Schalter zum Deaktivieren der Benzinpumpe. So lässt sich diese lahmlegen, wenn mal am Zündungskreislauf gearbeitet werden muss und/oder der Tank ab ist. Gibt zum einen sonst eine enorme Sauerei und quält zudem die Pumpe, denn den Trockenlauf mag sie gar nicht



Das ist tatsächlich unsere komplette Versorgungsstation. Das zuvor komplett zugebaute Rahmendrei-Eck ist elektrisch freigeblieben



Und dank der Schutzbleche kann man in der Hitze des Gefechts auch mal fette Geräte ablegen, ohne die Gesundheit der frischen Kabel zu riskieren



Und wer jetzt sagt, dass er noch nie mal eben schnell Werkzeug auf dem Hobel ablegen hätte, ist ein Lügner. Es macht durchaus Sinn, bei der VerKabelung auch solche Situationen zu bedenken, damit die Arbeit eine einmalige bleiben kann





Disclaimer/Warnhinweis:
Dieser Bericht dient lediglich der Veranschaulichung der von uns durchgeführten Arbeiten. Er ist auf keinen Fall Aufforderung oder Ermunterung zum Nachmachen und will auch nicht so verstanden werden. Wir raten ausrücklich davon ab, die durchgeführten Arbeiten, egal ob komplett oder auszugsweise nachzumachen, da daraus sowohl für Material als auch Leib und Leben (auch das Dritter) explizite Gefahren erwachsen. Darüber hinaus führen derartige Arbeiten u.U. zum Erlöschen der Betriebserlaubnis und/oder Garantie- oder Gewährleistungsansprüchen. Also bitte auf keinen Fall nachmachen! Wer dies dennoch tut, handelt entgegen unserer ausdrücklichen Warnung als auch Intention und ausschließlich sowie umfassend auf eigene Gefahr und ist für alle hieraus erwachsenden Konsequenzen und Schäden eigenverantwortlich.


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