Der Groß-Visier



Als wir die ersten Bilder des ICON Airflite gesehen haben, war unser spontaner Gedanke: „Nicht auch noch Du, mein Sohn Brutus!“. Denn unser in Sachen Helm-Innovationen extrem unterversorgtes Gehirn hat als spontane Assoziation einen vermeintlichen Klapphelm ausgeworfen. Alleine an dieser reflexartigen Fehlinterpretation kann man ermessen, wie eingefahren und langweilig es in Sachen Kopfputz grundsätzlich zugeht. Du hast die Wahl zwischen der vierundsiebzigsten Simpson-Helmparodie, kunterbunten Kappen für Gebückte oder ganz schlimm: Retro-Kitschkack im Major-Tom Design für Bartöl-süchtiges Hipster-Gesindel, mit dem man sich nicht einmal in den Siebzigern auf eine Mofa getraut hätte.

Visier Ultra - kein Reinigungsmittel, sonder ein neuer Rübenaufsatz aus ICONien





Durchdacht und oberaffentittengeil ausgestattet. Fest installierter Atemabweisen gegen beschlagene Scheiben




Umso erfreuter waren wir, als sich bei näherer Betrachtung heraus stellte, dass die ICON-Schlingel tatsächlich etwas wirklich Neues und aus dem Backofen gezogen haben, dessen vordergründiges Stilelement das Visier ist. Dieses endet, anders als bei herkömmlichen Integral-Helmen, nicht an der Oberkante des Kinnteils sondern läuft über dieses hinaus bis zu seiner Unterkante. Aussparungen erlauben es der Frischluft Einzug zu halten. Und obwohl das Visier entsprechend groß ausfällt, verschwindet es bei Bedarf komplett nach oben geklappt, vollständig aus dem Blickfeld des Trägers. Der Erderwärmung sei Dank, konnten wir das Teil im November noch ausführlich Probefahren. Gegriffen haben wir uns die expliziteste Designversion „Battlescar 2“. Eine Art Tarnmuster im Used-Look mit Soft-Touch Oberflächen-Finish und gülden verspiegeltem Visier (ein klares liegt ebenfalls bei, schließlich ist der Helm ECE zugelassen).

Sekundärvisier inklusive, intuitiv con außen zu bedienen





Solange das Visier geschlossen ist, merkt man im Inneren nichts vom neuen Design. Einzig, wenn man das Schild anheben will greift man Anfangs ins Leere, befindet sich die Kante doch deutlich tiefer als gewohnt. Das ist jedoch fix abgestellt. Halbgeöffnet stört erwartungsgemäß die „Lippe“ das Blickfeld, jedoch gibt es keinen Grund das Visier auf halb acht zu fahren. Der Airflite besitzt eine zusätzliche, von außen zu bedienende Sonnenblende, die dankenswerterweise nicht einfach dunkel getönt, sondern gelblich eingefärbt daher kommt. Man sieht so einfach viel besser und kann sie auch nachts nutzen. Einziges Manko des Gold-verspiegelten Primär-Visiers: Bei tiefstehender und von der Seite kommender Sonne neigt es dazu auch innen leicht zu spiegeln. Das liegt schlicht an der speziellen Beschichtung und ist kein helmspezifisches „Problem“, sondern teilen andere Hersteller gleichermaßen. Wer das umgehen will, greift sich eine andere Version aus dem üppigen Angebot – muss dann aber auch damit leben, etliche Coolness-Punkte auf der Eisdielen-Skala zu einzubüßen.

Werkzeuglose Visier-Abnahme. Deckel abrupfen, Schirm nach oben, runter damit







Der Helm sitzt stramm, aber nicht eng. Er verrutscht nicht, wenn man den Kopf im geschwindigkeitstechnischen Ordnungswidrigkeits-Bereich mal zur Seite dreht. Die Polster sind amtlich und absorbieren Kopfnässe dank „Hydra-Dry“. Zum Reinigen kann man sie leicht heraus nehmen. Leicht abnehmen lässt sich auch das Visier, natürlich werkzeuglos. Die Verarbeitung ist bemerkenswert, Spaltmaße und Passungen auf Niveau der etablierten Mitbewerber und weit jenseits von dem, mit was man im Fighter-Segment sonst drangsaliert wird.

Einmal Komplettaustattung, bitte. Belüftungen bis nach Meppen, Silent-Kragen, Doppel-D









Obwohl mit 1,7 Kilo nicht gerade ein Leichtgewicht, trägt sich der Kopfputz sehr angenehm – auch über mehrere Stunden hinweg. Unabhängig vom Anstellwinkel ist er erbaulich leise. Visierbeschlagen konnten wir nicht provozieren, was nicht zuletzt an den diversen Belüftungskanälen liegt, welche dem Helm inne wohnen.

Verschwindet eingeklappt vollständig: Innen-Visier in nachtaktiver Färbung



Fazit: Wer keinen Bock hat, seinem Individual-Drang in Sachen Helm mit Simspn-Immitationen, Plüsch-Öhrchen oder Saugnapf-Iro Ausdruck zu verleihen und einen sauber verarbeiteten Kopfschmuck sucht, in den es nicht rein regnet oder der zieht wie Hechtsuppe, ist hier genau richtig. Den Airflite gibt es in zig Farb-Kombos und fast ebenso vielen Visier-Varianten. Ein ernsthafter Helm mit eloquenter Optik.
Weitere Bilder findet ihr unten:



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