Buell Metal Jacket

Es gibt da so ein paar Voraussetzungen, die machen dir das Leben nicht unbedingt leichter. Wenn du z.B. als Vegetarier am Steak-Wettessen im örtlichen Schlachthof teilnehmen willst oder dein Geld als Jockey verdienen möchtest, obwohl dich die Gewerkschaft der Sumo-Ringer wegen Übergewicht abgelehnt hat, dann sind die jeweiligen Erfolgsaussichten eher überschaubarer Natur.

Ähnlich ging es Bernd. Der wollte nämlich unbedingt einen Fighter in Komplettausstattung bauen, reagiert auf GFK-Teile aber so allergisch wie Dracula auf Knoblauch. Das hielt den Dickkopf aber nicht davon ab, es trotzdem zu versuchen. Und am Ende auch zu schaffen.

Alle meine Minium

Was man auf den ersten Blick weder erkennt, noch so richtig glauben mag: Mit Ausnahme von Fender und Maske ist das gesamte Bodywork aus feinstem Aluminium getrieben. Und das dermaßen pervers kunstvoll, dass es oberflächentechnisch nicht nachbehandelt werden musste. Denn Irrtum Nummer zwei beim Anblick der Buell ist der Lack: Der ist nämlich gar keiner, sondern gepimptes und teils übergebrushtes Eloxat. Wer schon mal versucht hat, Aluminium auch nur in einfachste Formen zu klöppeln, kann ungefähr erahnen, welche Arbeit in den Teilen und welches handwerkliche Genie dahinter steckt.

Suchet und ihr werdet Dengeln

Allerdings dauerte es auch einige Zeit, bis Bernd einen Kollaborateur gefunden hatte, der Willens und in der Lage war, seine Vorgaben derart penetrant umzusetzen. Nachdem er zuvor in konstruktiver Selbsterkenntnis feststellen musste, dass seine eigenen, eigentlich gar nicht so bescheidenen Handwerkskünste nicht ausreichen würden, um seinem eigenen Anspruch in dieser Hinsicht gerecht zu werden, wurde er bei einigen vermeintlichen Blechzauberern vorstellig. Deren Mojo verpuffte bei näherer Betrachtung jedoch wie Nachbars nasse Katze beim Trocknungsversuch in der Mikrowelle, denn bei dem, was an Spachtelmasse nötig gewesen wäre um den Teilen eine homogene Oberfläche zu verpassen, hätte Bernd die Brocken auch gleich schnöde laminieren lassen können. Das hätte den Kunstharzbedarf auch nicht weiter nach oben getrieben.

An dem Alu eines Mannes erkennt man seinen Johannes

Durch Glückes Geschick geriet Bernd dann an Johannes, der mehr Macht auf seiner Seite hat als Yoda und Luke Skywalker zusammen. Und mit dieser Macht macht Johannes mächtig was los. Am liebsten mit Blech. Und besonders gerne mit Aluminium. Nach Bernds Zeichnungen wurden erst Pappschablonen angefertigt, die dann aus dünnem Leichtmetall nachgebaut wurden, mit Spaltmaßen die selbst bei den Qualitätsmanagement-Beauftragten von Bugatti für feuchte Höschen gesorgt hätten. Die Oberflächen waren gleichzeitig so gleichmäßig und glatt, dass weder Spachtel noch Grundierung auch nur ansatzweise notwendig waren.

Lackallergie

Das führte zu der ungewöhnlichen Idee, die Teile gar nicht zu lacken, sondern spartanisch pornös zu eloxieren. Und so sind sowohl das maßgeschneiderte Monocoque, als auch der Spoiler nichts weiter als zart getönte Handwerkskunst der schier unfassbaren Sorte. Die Maske steuert ein Markenkollege aus der 1125er Serie bei – so musste Bernd teilemäßig nicht mal fremd gehen.

Ich krieg'n Rohr

Für die Gabel hagelte es einen Satz passender Cover sowie Brücken von einer 12er Schwester, während der Motor mit einer Remus-Anlage atemtechnisch hintenraus aufgepäppelt wurde. Analog dazu bekam auch die Lufteinlassseite einiges an Aufmerksamkeit spendiert, was unterm Strich nicht nur Drehmoment und Leistung zu Gute kam, sondern auch die Thermik des Luftikus verbesserte. Und das, in Tateinheit mit den Windleitfähigkeiten des Spoilers derart effizient, dass der Ölkühler ersatzlos weg gelassen werden konnte.

New Wave

Die Bremsanlage bekam wavige Scheiben und die hintere Zange wanderte unsichtbar hinter die massive Schwinge in der gleichzeitig das Öl Gewehr bei Fuß steht. Die Elektrik setzte Bernd auf strenge Diät und verbaute ausschließlich unauffällige LED-Emitter, die dem Bodywork nicht die Show stehlen - was angesichts dessen Talenten sowieso einigermaßen schwierig sein dürfte. Die Buell ist glasklar ein Moped für den zweiten Blick und Leute mit kundigem Auge. Hier regiert die Handwerkskunst, alles primitiv-plakative wurde des Landes verwiesen. Wenn man nur benagelt und kompromisslos genug ist, lassen sich auch scheinbar unüberwindliche Widersprüche in famose Ergebnisse ummünzen.


TECHNISCHE DATEN
Marke/Modell/Bj.:Buell XB9R Firebolt 2003
Erbauer:Bernd
Ölkühler:eingespart
Luftfilter:modifiziert/offen
Krümmer/Auspuff:orginal/Remus
Heckrahmen:Eigenbau
Gabelbrücken:Lackiert/XS12
Gabelcover:Alu, Eigenbau
Hebel:V-Trec
Spiegel:Shark
Räder: Gebrusht, J17 3,5 vorn, J17 5,5 hinten
Bereifung: 120/70ZR17 vorn, 180/55ZR17 hinten
Bremsscheiben: Braking Wave vorn, Braking Sunstar hinten
Bremszangen: 6Kolben Serie vorn, 2Kolben Brembo versteckt hinten
Bremsflüssigkeitsbehälter: Serie vorn, Rizoma hinten
Bremsleitungen:Stahlflex
Tankcover/Sitzbank:Alu handgedengelt, Sitz Eigenbau
Bugspoiler:Alu handgedengelt
Maske/Scheinwerfer:BuellCR1125
Blinker:Lenkerenden/LED vorn, LED min hinten
Rücklicht:LED oval
Lackierung: Jaguarschwarz/Airbrush
Sonstiges:Aluminium ist Eloxiert und mit Klarlack versiegelt
Danke an:Johannes den Blechbildner


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